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Union in die Mitte gerückt - SPD-Wähler nach links

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Bei der Wahl zum 17. Deutschen Bundestag wird die Union trotz Verlusten mit klarem Abstand stärkste Partei, die SPD fällt auf ihr schlechtestes Ergebnis überhaupt. Gewinner der Bundestagswahl sind FDP, Grüne und Linke.

Angela Merkel kann nach Erkenntnissen der Mannheimer Forschungsgruppe Wahlen vor allem ihren SPD-Herausforderer Frank-Walter Steinmeier in der K-Frage klar distanzieren - was bei einem gestiegenen Kandidatenfaktor hohe Bedeutung besitzt.

Die SPD, im Kabinett wie als Partei besser bewertet als 2005, hatte ein strategisches Dilemma: Neben einer stärker in die Mitte gerückten Union verliert sie nach links Wähler, deren Wünsche sie als Regierungspartei nicht bedienen kann. Hinzu kommt die gesunkene Wahlbeteiligung, die nach einem themenarmen, nicht polarisierenden Wahlkampf auf ein Mobilisierungsdefizit der SPD verweist.

Für den großen Erfolg der kleineren Parteien ist zunächst deren stark gestiegenes Ansehen verantwortlich: Verbessern konnten sich danach insbesondere FDP und Grüne. Die Linke ist bei den Wählern offenbar weit weniger negativ als zuletzt eingestuft worden.

Die zentrale Stütze des Wahlsieges der CDU/CSU sind laut Forschungsgruppe Wahlen einmal mehr die über 60-Jährigen: Hier holt die Union 40 Prozent, bleibt aber in allen anderen Altersgruppen unter ihrem Gesamtresultat. Auch die SPD erzielt mit 30 Prozent bei den über 60-Jährigen ihr bestes Ergebnis. Bei den unter 30-Jährigen hat sie mit minus 17 Prozentpunkten dramatische Einbußen, kommt noch auf 17 Prozent und liegt auf einem Niveau mit der FDP (17 Prozent; plus fünf). Die Grünen sind bei den unter 30-Jährigen mit 15 Prozent (plus vier) ebenfalls stark, die Linke holt in den Altersgruppen bei den 45- bis 59-Jährigen mit 14 Prozent (plus vier) ihr bestes Ergebnis.

Diese Bundestagswahl markiert einen historischen Tiefpunkt für eine SPD, die sich zum Erhalt einer realistischen Machtoption jenseits der C-Parteien neu ausrichten muss. Stark profitiert von der Koalitionsdiskussion hat die FDP, da 32 Prozent ihrer Wähler prinzipiell der CDU/CSU näher ­stehen.

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