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Seehofer ärgert sich über offene Kritik an Guttenberg aus der Union

Unnötiger Streit

wn

Der grantelnde Bayer hat ja so recht. Horst Seehofer forderte gestern, dass „wir vernünftig miteinander umgehen in der Koalitionsfamilie“. Und außerdem hält er als Konsequenz aus der Guttenberg-Affäre und den Reaktionen der CDU-Spitzen Lammert und Schavan „die Vermeidung der Wiederholung“ für wichtig. Stimmt.

Aber seine Aussagen gelten in erster Linie für ihn, der so gern süffisant Kritik übt, und seine CSU selbst. Denn hätte Ex-Minister und Ex-Doktor zu Guttenberg von Anfang an mit offenen Karten gespielt, wäre der Union einiges an Peinlichkeit und Glaubwürdigkeitsverlust erspart geblieben. Und die Versuche, das Fehlverhalten zu vertuschen, wie sie in der CSU zu beobachten waren, sind in der Tat nichts, was der normale Bürger noch einmal erleben möchte.

Welche Strategie verfolgt Seehofer eigentlich? Ist seine Chef-Position in der CSU schon derart geschwächt, dass er irgendeinen Anlass gesucht hat, um in die Offensive zu gehen, seine verbalen Attacken zu reiten und so seine angebliche Stärke zu demonstrieren?

Dann war er in diesem Fall schlecht beraten. Denn Annette Schavan hat auf den wissenschaftlichen Ehrenkodex und die Methoden wissenschaftlichen Arbeitens verwiesen - das war in diesem Zusammenhang durchaus gerechtfertigt. Und Norbert Lammert hat seine Sorge über den Verlust der politischen Glaubwürdigkeit geäußert - auch das war angemessen.

Wenn Seehofer es schaffen würde, die bayerische Brille abzunehmen, würde ihm vielleicht auffallen, dass die Solidarität der Kanzlerin von zu Guttenberg mehr als strapaziert worden ist. Sie hätte den Verteidigungsminister schon Tage vor seinem freiwilligen Rückzug abberufen können, ohne dass sich der Franke hätte beschweren dürfen. Sie tat es nicht - ob aus Stärke oder Schwäche, darüber lässt sich noch trefflich streiten.

Es muss in einer Demokratie zudem möglich sein, das gravierende Fehlverhalten eines exponierten politischen Vertreters auch öffentlich zu kritisieren. Seehofer klingt ja so, als fordere er Stillhalten um jeden Preis. Maulkorb heißt so etwas für gewöhnlich.

Den unnötigen Streit in der Union bricht er jedenfalls zur Unzeit vom Zaun. Die Wahlkämpfer der Union in Sachsen-Anhalt, Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz haben es so nicht leichter.

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