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Unternehmen aus Münster bietet Schutz bei Erpressung, Entführung und Piraterie

Karin Höller

Münster - Wenn sich Meldungen über Entführungen, Erpressungen und Piraterie überschlagen, ist im münsterischen Unternehmen Hansekuranz Kontor Hochkonjunktur. Vom Hafenweg aus werden Unterhändler für Entführungsfälle in Bogotá (Kolumbien) dirigiert, Mitarbeiter von Exportunternehmen für Auslandseinsätze in Krisengegenden wie Afghanistan und Südamerika vorbereitet und neue Tricks konzipiert, um Piraten vor Somalia ein Schnippchen zu schlagen.

In Zeiten der Globalisierung nehmen der Unterschied zwischen Arm und Reich und die Zahl der Krisenherde stetig zu und damit offensichtlich auch die Arbeit der münsterischen Spezialisten. „Wir sind vor einem Jahr mit drei Mitarbeitern gestartet, jetzt sind wir sieben und Mitte des nächsten Jahres sollen drei weitere hinzukommen“, kündigt Geschäftsführer Peter Bensmann an, der am Hafenweg expandiert und von hier aus die Einsätze von 140 Krisenmanagern in aller Welt koordiniert.

Bensmann: „Wir sind das einzige Unternehmen in Deutschland, das Unternehmen und Privatpersonen Versicherungsschutz bei Entführung, Freiheitsberaubung, Erpressung und Piraterie bietet.“ Die erpressten Summen werden immer höher. 9,5 Millionen Dollar wurden in der vergangenen Woche an Schiffspiraten im Golf von Aden gezahlt. Bensmann spricht von einer neuen Dimension der Piraterie. „Inzwischen werden auch Yachten, beispielsweise vor den Seychellen, überfallen.“

Die Lösegelder werden von Versicherungen gezahlt, für die das münsterische Unternehmen die Spezialdienstleistung Krisenmanagement übernimmt. Vom Verhandlungsgeschick hängt es ab, wie hoch das Lösegeld am Ende ist und ob die Entführten überleben.

„Entführungen und Erpressungen können wir nicht verhindern“, räumt Bensmann ein, „aber wir können dafür sorgen, dass Krisensituationen für die Opfer glimpflich ausgehen“.

Für Mitarbeiter, die für Geschäfte in Länder wie Mexiko, China, Brasilien, Philippinen oder Irak reisen, wo das Entführungsrisiko hoch ist, werden Checklisten beim Versicherer angelegt und Verhaltensregeln für den Fall der Fälle gegeben. Unterhändler können dann mit Fragen wie „Was war ihr erstes Auto?“ abklären, ob es sich bei der Übermittlung von Lebenszeichen wirklich um den Entführten handelt.

Durch Verhaltensregeln, die mit Reedereien abgestimmt werden, können laut Bensmann auch viele Angriffe von Piraten abgewehrt werden. Sobald schnelle Holzboote gesichtet werden, heißt es Speed geben und Zickzackkurs fahren, um durch starke Wellenbewegungen ein Anlegen zu verhindern. Bensmann: „Allein durch Speed und Manöver wurden im Golf von Aden und im Roten Meer 59 Prozent der versuchten Schiffsentführungen vereitelt.“

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