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Unwetter über Dülmen: "Das war ein Horrorszenario"

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Dülmen - „Das war ein Horrorszenario!“, blickt Melanie Fockenberg von der Eisdiele San Remo auf Samstagnachmittag zurück. Dabei begann alles so vielversprechend. Die Eisdiele war brechend voll, alle verfolgten den deutschen Sieg über Argentinien im Fernsehen. Doch dann kam das Unwetter: Windböen ließen Tische und Schirme herumwirbeln.

Der Sturm entwurzelte einen Baum an der Tiberstraße, der auf das Gebäude stürzte. Und im Nu stand der Keller unter Wasser. „Das Wasser war doppelt so hoch wie sonst“, berichtet Fockenberg. Große Schäden habe es bei Waren und Maschinen gegeben. Dazu käme der Umsatzverlust, da nach Spielende keine Bestellungen mehr entgegen genommen werden konnten - die Mitarbeiter hatten mit dem Unwetter, das am späten Samstagnachmittag über Dülmen fegte, alle Hände voll zu tun.

Am Montag ist von den Sturmfolgen bei San Remo, das an einem der tiefsten Punkte der Stadt liegt, auf den ersten Blick nur wenig zu sehen. Statt des Baumes klafft ein Loch im Pflaster, und noch vor Mittag sind die Arbeiten an Dachpfannen und -rinne beendet. Der Eisdielenbetrieb läuft normal.

Das gilt auch für das benachbarte Meg Mo. Hier standen am Samstag der Keller und die Toiletten unter Wasser, während im Lokal die Fußballfans feierten. Im Hof sei ein Stück Pflaster eingebrochen, berichtet Inhaberin Aysun Abed. Einen rund 40 Zentimeter hohen Wasserstand meldete Antonius Preun von der Marktwirtschaft. „Die Kegelbahn hat Schaden genommen“, berichtet er.

Vor allem die Innenstadt war betroffen. So auch der Butterkamp. Eigentlich sollte dort am Samstag Nachbarschaftsfest gefeiert werden, so Anwohner Peter Lippok. Das wurde auf Sonntag verschoben - die meisten Nachbarn hatten Wasser im Keller. Aufgrund des Gewitters musste auch das Public Viewing auf dem Marktplatz abgebrochen werden. Auf der Bahnlinie zwischen Essen und Münster gab es gestern wegen Schäden an den Oberleitungen Verspätungen.

Nicht nur Hausbesitzer, sondern auch die Feuerwehr hielt das Unwetter in Atem. Über 80 Alarmierungen habe es von 17.15 bis circa 22 Uhr gegeben, teilte die Wehr mit, die mit allen Löschzügen und rund 110 Mann im Einsatz war. „Das war mehr als ein hundertjähriges Regenereignis“, zieht Jochen Gerle, Technischer Leiter des Abwasserwerkes, Bilanz. „An mehreren Messstellen wurden 45 bis 50 Liter je Quadratmeter und Stunde registriert. Schon bei 40 Litern gilt die Einstufung als hundertjähriges Regenereignis“, so Gerle in einer Mitteilung der Stadt. Die vielen Fragen der DZ, warum ausgerechnet immer wieder Dülmen absäuft, will die Stadt „in absehbarer Zeit“ beantworten.

Die Folgen des Unwetters spürten am Montag auch die Versicherungen. Viele Kunden hätten Schäden gemeldet, berichtet Mitarbeiterin Maria Lakmann von Provinzial Kuhlmann. Die meisten gemeldeten Schäden seien durch Wasser im Keller entstanden, ergänzt Heinz Nordmann von der LVM Nordmann. Ob die Versicherung zahle, hänge davon ab, ob Elementarschäden abgedeckt seien. Nach einem solchen Unwetter würden sich immer auch viele Kunden nach einer solchen Versicherung erkundigen, weiß Walburga Deckenhoff von der Allianz Terbeck/Stiche.

Trotz der vielen Schäden: So schlimm wie der Sturm Kyrill sei das Unwetter von Samstag allerdings nicht gewesen.

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