1. www.wn.de
  2. >
  3. Archiv
  4. >
  5. Urin soll in Mittelgang von neuem Zellentrakt ablaufen

  6. >

Umbau sorgt für Ärger im Polizeigewahrsam am Ring

Urin soll in Mittelgang von neuem Zellentrakt ablaufen

Dirk Anger

Münster - Das Hotel am Friesenring ist ausgebucht. Häufiger als den Betreibern recht sein dürfte. Denn seit Monaten wird das Polizeigewahrsam bereits umgebaut - mit der Folge, dass nur die Hälfte der sonst acht Zellen zur Verfügung steht. So mussten zuletzt aus Platzmangel immer wieder alkoholisierte Personen und Randalierer von Münster - aus Sicherheitsgründen gefesselt - in Zellen etwa nach Greven oder Dülmen verfrachtet werden.

Und es sieht so aus, als ob sich an dieser unkomfortablen Situation in den kommenden Monaten kaum etwas ändern wird - zumal sich die Bauarbeiten in Münster inzwischen verzögern. Zum Leidwesen der Polizisten im Wachdienst, die über eine an die Grenzen gehende Belastung klagen.

In den vergangenen Wochen wurden am Friesenring nach Aussage von Beamten, die nicht genannt werden möchten, nur noch ganz sporadisch Arbeiter im Gewahrsamstrakt gesichtet. Was Barbara Kneißler, Sprecherin des Bau- und Liegenschaftsbetriebes (BLB), entschieden dementiert. Eine „kleine Verzögerung“ bei den Arbeiten räumt die Bauverwaltung des Landes allerdings auf Nachfrage ein.

Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) schlägt unterdessen Alarm: „Es muss alles unternommen werden, um die Bauarbeiten unverzüglich wieder aufzunehmen und schnellstmöglich abzuschließen“, fordert Hartmut Rulle, Vorsitzender der GdP-Kreisgruppe Münster.

Nach deren Einschätzung wird die Baumaßnahme unzureichend überwacht - „ein ungeordnetes Nebeneinander von Zuständigkeiten“, kritisiert Rulle das Zusammenspiel zwischen BLB, dem Landesamt für Zentrale Polizeiliche Dienste in Duisburg und dem Polizeipräsidium Münster. Darunter müssten die Beamten leiden.

Als Beleg dient ihm das angebliche Hickhack um die Videoüberwachung in den Gewahrsamszellen: Die Kameras, so Rulle, mussten wieder ausgebaut werden, weil sie über der Toilettenschüssel angebracht waren. Nun sollen sie an eine Stelle unter der Zellendecke, wo ein Inhaftierter nicht herankommt: „Wo ist da die Bauaufsicht geblieben?“, fragt Rulle und denkt dabei an Schilda, wie er sagt.

Bei der landesweit geplanten Modernisierung von insgesamt 113 Polizeigewahrsamen gehört der Umbau in Münster zu den ersten. Doch beim Wort Modernisierung kann Rulle nur mit dem Kopf schütteln: Denn im Mittelgang des neuen Zellentraktes sollen nach Landesvorgaben Bodenabläufe Erbrochenes und Urin aus allen Zellen sammeln.

„Warum werden Ablaufrinnen nicht in die Zellen verlegt?“, fragt Rulle, der auf die ansonsten erhöhte Rutschgefahr für seine Kollegen im Flur hinweist. Dazu heißt es vom Duisburger Landesamt der Polizei, das beim Umbau mit im Boot ist, schlicht: „Das ist keine Verbesserung.“

Der erste Zellentrakt in Münster soll nach BLB-Angaben übrigens nun Ende August fertig sein. Anfang Dezember will man die Arbeiten ganz abgeschlossen haben. Um das Gewahrsam nicht ganz schließen zu müssen, wie ursprünglich einmal geplant, hatte man sich für den abschnittsweisen Umbau entschieden.

Startseite