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Filmrezensionen

„Vergebung“: Gegen böse alte Männer

Hans Gerhold

Während Lisbeth Salander (Noomi Rapace) im Krankenhaus an der Schusswunde im Schädel operiert wird, geht Enthüllungsjournalist Mikael Blomkvist (Michael Nyqvist) daran, ihre Unschuld an den Morden an ihrem Vormund und zwei Journalisten zu beweisen.

Damit weitet sich in „Vergebung“, dem letzten Teil der „Millennium“-Trilogie nach den Romanen von Stieg Larsson, die Perspektive auf ein gesellschaftliches Phänomen, das in „Verblendung“ und „Verdammnis“ zu ahnen war und düstere Schweden-Geschichte schreibt.

Denn Lisbeths traumatische Familiengeheimnisse, ihr Wunsch nach Rache und Erlösung von Scheinmoral, Hass, Perversion und Gewalt, ist untrennbar verbunden mit Staatsgeheimnissen. Eine gruftige Garde echt böser alter Männer, seit den 70er Jahren ein mächtiger Geheimbund innerhalb des Geheimdienstes, will die junge Frau töten und, als das schief geht, wieder in die Psychiatrie bringen, wo sie als Kind jahrelang dem Missbrauch durch den kinderschänderischen Anstaltsleiter ausgesetzt war, der im anstehenden Prozess gegen sie der psychiatrische Gutachter ist. Eine höllische Falle.

Gut, dass es Mikael gibt, der wegen Lisbeths Rekonvaleszenz über weite Teile im Zentrum des Films steht und, teils gegen seine Chefin (Lena Endre) vom Millennium-Magazin arbeiten muss. Michael Nyqvist spielt den Journalisten als bewährten Freund, der von der Peripherie aus in die Geheimnisse von Staat und Salander eindringt und mit Hilfe von Lisbeths Hacker-Freund und dem echten Geheimdienst für Aufklärung sorgen will.

„Vergebung“ erzählt das, unter der versierten Regie von Daniel Alfredson, in verschachtelten Parallelhandlungen als eminent spannenden Thriller, dunkel und bedrohlich in Bildern und Musik, weitgehend ohne die weibliche Perspektive Lisbeths, die im Prozess und im Finale des Finales ihre schlagfertigen Auftritte mit Drachentattoo, Stachelhalsband und Irokesenhaarschnitt hat. Ihr persönliches Schicksal tritt gegenüber den Politmachenschaften zurück.

Insgesamt ist der Schwedenhammer eine gewaltige Trilogie und ein Kino-Ereignis der Saison. Dass die Filme stellenweise den Romanen überlegen sind, liegt am Weglassen krudester Details, an Nyqvists besonnenem Spürhund und an der sensationellen, wenn nicht genialen Darstellung der großartigen Entdeckung Noomi Rapace, die für ungeahnte Tiefendimensionen sorgt und leider um den verdienten Europäischen Filmpreis 2009 gebracht wurde. Wer hat denn da mitgemischt?

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