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Löbbert-Prozess

Verteidiger forden Freispruch - Befangenheitsantrag gegen Richter gestellt

wn

Münster - Johannes Löbbert ist weiter in Bestform: Auch sieben Jahre nach dem Beginn des Prozessmarathons gegen den ehemaligen Müll-Unternehmer und seinen Bruder Dieter hält er an seiner alten Strategie fest. Das angekündigte Plädoyer der Anwälte begann mit einem „unverzüglichen Antrag“ eines der Anwälte, für den er „noch fünf Minuten bräuchte“. Er schreibt ein paar Minuten, das Gericht wartet. Dann stellte der Verteidiger einen Befangenheitsantrag gegen einen der Richter. Der Grund: Der Jurist fühle sich nicht verpflichtet einzuschreiten, als die Angeklagten fotografiert werden sollten.Das Bestreben, das Verfahren in die Länge zu ziehen, geht also weiter. Johannes Löbbert hatte schon vorher angekündigt, dass sein „letztes Wort“, das jedem Angeklagten zusteht, länger dauern könnte: 500 Seiten lang soll es sein. Bevor die Verteidiger in ihren Plädoyers den Freispruch der beiden Angeklagten forderten, leierte ein Anwalt eine gute halbe Stunde lang ein paar Anträge herunter, in denen er auf Anweisung seines Mandanten Johannes Löbbert dem Vorsitzenden Richter „subtile und raffinierte Pflichtverletzungen“ vorwirft, nur einmal unterbrochen durch die Bitte des Staatsanwalts, doch etwas lauter zu sprechen. Nachher musste der Richter noch mal genau nachfragen, wie viele Anträge der Verteidiger genau gestellt habe. Es sind sieben. Auf der Anklagebank sind fünf weitere Anwälte damit beschäftigt, ihre Müdigkeit und Langeweile zu bekämpfen. Der Prozess hinterlässt seine Spuren, die Anträge haben alle Hauptberuflichen im Gerichtssaal 23 schon oft gehört. Köpfe werden auf Hände gestützt, das ein oder andere Auge fällt schon mal länger zu. 249 Verhandlungstage, 248 Ablehnungsgesuche gegen Richter, Schöffen und Gutachter. Das macht in viereinhalb Jahren Prozess pro Verhandlungstag einen Befangenheitsantrag. Kein Wunder, dass neue Anträge von Johannes Löbbert nur noch auf wenig offenen Ohren fallen. Auch gestern nicht. In seiner Ablehnung erklärte der von Johannes Löbbert als „Feierabendspekulant“ beschimpfte Vorsitzende Richter, dass der Angeklagte mit den Rügen „ausschließlich prozessfremde Zwecke verfolgt“ und "das Gericht provozieren" soll. Trotzdem ist ein Ende des Verfahres abzusehen. Die Staatsanwälte haben ihre Plädoyers bereits gehalten und für die beiden Brüder siebeneinhalb Jahre Haft gefordert, weil sie die Bilanzen ihrer Müll-Entsorgungsnnternehmen so gefälscht haben sollen, dass sie damit Kredite bekommen haben, die sie sonst nie erhalten hätten.

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