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Verworrener Knoten - Israel von großer Koalition weit entfernt

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Israels Staatspräsident Schimon Peres will seinem Land offenbar eine lang anhaltende Hängepartie ersparen. Überraschend schnell beauftragte er deshalb gestern den rechtskonservativen Benjamin Netanjahu mit der Regierungsbildung. Bei der Wahl am 10. Februar war Netanjahu zwar lediglich als zweiter Sieger durchs Ziel gegangen - knapp hinter der scheidenden Außenministerin Zipi Livni. Aber: Ihr hartnäckiger Konkurrent kann mit Hilfe des wiedererstarkten rechten Parteienlagers pro forma eine parlamentarische Mehrheit auf seine Seite ziehen. Deshalb ist Peres Auftrag an Netanjahu nur konsequent.

Im Stillen wird der Präsident hoffen, dass die Regierungsbildung am Ende auf eine große Koalition hinausläuft. Für die Stabilität und die Einheit des Staates Israel wäre diese Wendung gewiss erstrebenswert. Doch da ist wohl der Wunsch der Vater des Gedankens. Von Livni ist bekannt, dass sie nicht als Juniorpartner unter einem Premier Netanjahu in die Regierung eintreten würde.

Im Augenblick zeichnet sich zwischen den beiden großen Rivalen kein gemeinsamer Nenner ab. Die Kadima-Chefin will sich nicht als Feigenblatt vor Netanjahus Karren spannen lassen. Denn den Kurs wollen die Ultranationalisten unter Führung von Avigdor Lieberman bestimmen. Und da ist Unheil programmiert: Keine Kompromisse mit den Palästinensern, Konfrontation mit Iran - Nahost-Friedensprozess auf Eis.

Livni ist zu klug, um sich von Netanjahus Werben um eine große Koalition einfangen zu lassen. Sie tut jetzt gut daran, in Lauerstellung zu gehen. Sie weiß sehr genau, dass die rechte Allianz eine höchst fragile Ansammlung zum Teil suspekter Politiker bildet. Es wäre eine Frage der Zeit, wann Netanjahu mit diesem Bündnis die erste Bauchlandung hinlegen würde.

Sechs Wochen bleiben Netanjahu zur Regierungsbildung. Wie er den verworrenen Knoten lösen will, ist völlig unklar. Es sieht ganz danach aus, als bliebe dem Land die Hängepartie doch nicht erspart.

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