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VfB Stuttgart: Cacau ist kein typischer Brasilianer

Sigor Paesler

Stuttgart - Beim VfB Stuttgart spricht zurzeit alles von dem neuen Stürmer, der als Nachfolger des 30-Millionen-Abgangs Mario Gomez verpflichtet werden soll. Kurz vor dem Saisonstart ist die Mannschaft in der Abwehr und im defensiven Mittelfeld überdurchschnittlich gut besetzt, in der Offensive aber sind andere im Vorteil. So wird es schwer werden, erneut einen Spitzenplatz in der Fußball-Bundesliga zu erreichen. Vom internationalen Geschäft ganz zu schweigen.

Und die Suche gestaltet sich schwieriger, als sich viele vorgestellt haben. Kein Demba Ba, kein Klaas-Jan Huntelaar, (noch?) kein Vagner Love oder Alvaro Negredo. Jetzt ist Alexander Hleb der Neue. Ihm und dem Deutsch-Brasilianer Cacau kommt im Angriff eine besondere Rolle zu. Für den 28-jährigen Neu-Nationalspieler ist das kein Problem. „Ich bin bereit und freue mich auf die Herausforderung“, sagt er. „Ich will ein Vorbild sein.“

Ein Vorbild ist Cacau in vielerlei Hinsicht. Der tiefgläubige Christ steht mit beiden Beinen im Leben und hat seinen festen Platz im Teamgefüge des VfB. Auf dem Spielfeld ist der Mann mit der enormen Antrittsschnelligkeit hin und wieder sehr emotional und legt in manchen Situationen einen stürmertypischen Eigensinn an den Tag. Aber er ist mannschaftsdienlicher als es viele wahrnehmen - so manches der Gomez-Tore hat Cacau aufgelegt. Darauf angesprochen muss er lachen. „Vor ein paar Monaten habe ich noch irgendwo gelesen, wie eigensinnig ich sei. Und jetzt heißt es, dass ich uneigensinnig bin“, antwortet er.

Abseits des Platzes ist Cacau in jedem Fall ein Teamplayer. So wirbt er jetzt schon dafür, die Messlatte für den Gomez-Nachfolger nicht zu hoch anzusetzen: „Zu erwarten, dass einer Mario eins zu eins ersetzt, wäre unfair. Zumal, wenn er neu kommt.“

Cacau selbst möchte in der neuen Saison mehr beitragen als die sieben Tore der vergangenen Spielzeit. Damals steckte er zeitweise im Formtief oder plagte sich mit Verletzungen herum. Wie so viele seiner Kollegen steigerte er sich jedoch zum Saisonende hin immer mehr. Zur Belohnung gab es von Bundestrainer Joachim Löw eine Einladung zur Asienreise der Nationalmannschaft. Seit dem 2. Februar besitzt der im brasilianischen Santo André als Claudemir Jeronimo Barreto geborene Stürmer die deutsche Staatsbürgerschaft, am 29. Mai absolvierte er in Shanghai gegen China sein erstes Länderspiel - er wurde in der 63. Minute für Gomez eingewechselt.

„Ich lebe seit neuneinhalb Jahren in Deutschland und fühle mich hier zu Hause“, erklärt er, warum es sich alles andere als ungewöhnlich angefühlt habe, mit dem Bundesadler auf der Brust aufzulaufen. Vielleicht liegt es aber auch daran, dass Cacau nicht gerade der typische Brasilianer in der Bundesliga ist und dadurch viele Facetten seiner neuen Heimat kennengelernt hat: Er wurde nicht von einem Top-Club direkt in die Eliteklasse geholt, sondern kam 1999 als 18-Jähriger mehr oder weniger auf eigene Faust nach Deutschland. Er arbeitete sich über den Fünftligisten Türk Gücü München und die Amateure des 1. FC Nürnberg ins Bundesliga-Team der Franken hoch. Seit sechs Jahren spielt er für den VfB. „Ich habe hier viel erlebt“, sagt er und grinst. Die Meisterschaft 2007, aber auch das im selben Jahr verlorene DFB-Pokal-Finale gegen seinen Ex-Club Nürnberg.

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