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Tecklenburger Land

VfL in Freiburg wie Freiburg

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Von Harald Pistorius

Freiburg. „...verlor der SC Freiburg einen Punkt gegen das schlechteste Auswärtsteam der Liga.“ So kann man es natürlich auch sehen, wenn man nur auf die Tabelle schaut. Die Wirklichkeit hinter dem 1:1, das der VfL Osnabrück gestern beim Sportclub Freiburg erreichte, hat mit der Interpretation eines Radiosenders nichts zu tun. Denn der VfL war zum Rückrundenauftakt der 2. Fußball-Bundesliga auf die Minute topfit, hielt spielerisch mit dem Aufstiegsanwärter mit und hatte den dritten Auswärtspunkt allemal verdient.

Vor allem in der ersten Halbzeit knüpfte die Mannschaft an die besten Auswärtsleistungen der Vorrunde an. Mit dem „Offenbacher System„ - zwei Halbstürmer hinter Reichenberger und einer Dreierreihe vor der Abwehr - war der VfL sofort im Spiel. Flachpassspiel, schnell, direkt und steil vorgetragen, Laufbereitschaft und energische, foularme Zweikampfführung. So wurde und wird oft der Freiburger Stil beschrieben, und in diese Richtung entwickelt sich der VfL unter der mutigen Führung seines Trainers. „Der VfL ist eben keine Mannschaft, die sich hinten reinstellt und die Bälle raushaut. Sie ist gut organisiert und spielt modernen Fußball“, lobte SC-Trainer Robin Dutt.

Der VfL erwischte den besseren Start und hätte durch Reichenbergers Flugkopfball (16., Vorarbeit Manno), den Walke mit einer tollen Parade entschärfte, in Führung gehen können. Die fiel dann den Freiburgern in den Schoß, als nach einem Ballverlust von Schäfer im Mittelfeld Pitroipa bei einem Solo mit perfektem Abschluss seine herausragende Klasse zeigte (28.).

Dass die Osnabrücker Mannschaft auf ihrem Lernprozess in der 2. Bundesliga auch an mentaler Stärke gewonnen hat, zeigte sich gestern einige Male; besonders natürlich nach dem Rückstand, der gerade gegen spielstarke Teams wie Freiburg häufig der Anfang einer Niederlage ist. Der VfL behielt Ruhe und Ordnung, griff weiter mutig und ballsicher an. Der Lohn kam in der 34. Minute: Reichenberger traf nach Ballgewinn von Manno und Flanke von Thomik in typischer Manier.

In der zweiten Halbzeit verlor der VfL ein wenig von dem Schwung der ersten 45 Minuten, geriet aber nie unter Dauerdruck. Allerdings wäre ohne zwei Klasseaktionen von Gößling, der erst gegen Pitroipa (42.) und später gegen Bencik (63.) der Punktgewinn nicht möglich gewesen. Und wenn Schiedsrichter-Neuling Bandurski in der 82. Minute Elfmeter gegeben hätte, hätte sich kein VfLer beschweren können. Zwar war die Entscheidung vertretbar, weil Gößling mit der Hand einen Wimpernschlag eher am Ball war als Jäger. Doch der Freiburger Stürmer stürzte dann über die Hand des VfL-Torwarts, so dass mancher Unparteiische auf den Punkt gezeigt hätte.

Verdient war das Unentschieden allemal, und die Art und Weise darf dem VfL Mut machen. Immerhin standen mit Cichon und Grieneisen zwei Spieler auf dem Platz, die weite Teile der Vorbereitung verletzt verpasst haben. Die Mannschaft war körperlich und mental auf den Punkt da, auch ohne Neuverpflichtung. Doch das Thema hat sich erledigt - so oder so.

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