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Lenz-Thema

Videoprojekt: Faxen und Fummeln unerwünscht

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Chris Wright (16) atmet tief durch. Ein Blick zu Marco Berger, der hinter der Kamera steht. Der signalisiert „Film ab“ und jetzt stellt Chris die erste Frage. „Worauf kommt es bei einer Bewerbung an?“ Er hält sein Mikro dem Mann entgegen, der vielleicht demnächst sein Chef sein wird. Chris und Marco sind Schüler der Wartburg-Hauptschule in Münster. Und gerade drehen sie in einem münsterischen Karosserie-Baubetrieb ein Video. Es geht um Beruf, Betrieb, Ausbildung - aber eigentlich geht es um Selbstvertrauen. Die Schüler basteln an ihrem eigenem Image.

Das hat oft Kratzer, weiß Marina Bänke, die im münsterischen Bennohaus das Projekt „Auf ins Leben. Meine Medien - Meine Möglichkeiten“ organisiert. Wenn Schüler aus Förder- und Hauptschulen sich um Jobs bewerben, sagen sie nicht selten zuerst, was sie nicht können.

Bänke hat Beweise: Videos, die bisher im Projekt entstanden sind. Medientrainer drehen mit Schülern kurze Porträts. Sie stehen vor der Kamera, präsentieren sich. Und beäugen nachher kritisch ihre Videos. Die Beine auf dem Tisch, Kaugummi zwischen den Zähnen, Wasserflasche in der Linken - das sind so Sachen, die nicht gehen. Marco Berger (16) ist selbst in dem Projekt zum Filmchen-Star geworden: „Du bemühst dich, wirklich alles richtig zu machen.“

Manche Jugendliche, die sich bei uns vorstellen, machen den Eindruck, als suchten sie gar keine Ausbildung

Marco hat in drei Praktika ordentlich Selbstvertrauen getankt. „In der Achten“, sagt er, „konnte ich nichts sagen, wenn ich an der Tafel stand.“ In seinem ersten Praktikum hat er stumm in der Ecke gestanden. Neulich hat der 10b-Schüler seinen dritten Praxistest in einem Apple-Store bestanden: „Das hat Spaß gemacht.“ Offenbar auch dem Chef, denn Marco hilft dort weiter aus.

Alexandra Baraille (30) ist Medientrainerin. Im Karosseriebetrieb Evels gibt sie ihrem Team knappe Anweisungen. Kamera und Ton müssen stimmen, Chris muss Firmenchef Hermann Evels das Mikro in die Hand geben. „Ich unterstüze nur“, sagt sie, „die Jungs machen das sehr selbstständig.“ Kein Wunder, der Film, den die Wartburg-Schüler drehen, wird auf einem Bildungsportal im Internet erscheinen. Da sind Faxen unerwünscht. Chris stellt sachlich und selbstsicher seine Fragen. „Man lernt bewusster aufzutreten“, sagt er.

Chris kennt sich bei Evels aus, er hat hier sein Berufspraktikum gemacht. „Manche Jugendliche, die sich bei uns vorstellen“, sagt Firmenchef Hermann Evels, „machen den Eindruck, als suchten sie gar keine Ausbildung.“ Chris gehört bestimmt nicht dazu. „Wir wissen genau, wo man eine Ausbildung machen kann“, sagt der Kinderhauser, „wenn man alles richtig macht, kommt man überall an.“

Zum Nachmachen:

Kleines Experiment, großer Effekt: Du möchtest dich für einen Ausbildungsplatz vorstellen? Die Angst zu versagen ist groß? Dann übe einfach die Situation mit einem Freund: Er oder sie spielt den Chef, du den Azubi. Dabei nehmt ihr euch auf. Das geht schließlich sogar mit dem Handy. Anschließend analysiert ihr allein oder mit Freunden und Eltern den Clip. Das gibt wertvolles Feedback!

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