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Viel Schutz für wenig Geld

Uwe Gebauer

Norbert Höflacher muss erst einmal aufräumen mit alten Vorurteilen. Gar so gefährlich ist das Skifahren nicht, weiß der Geschäftsführer der „Stiftung Sicherheit im Skisport“ (SiS). Immerhin: Gut 40 000 Skiunfälle registriert die Stiftung Jahr für Jahr. Doch angesichts der 4,2 Millionen regelmäßigen Skifahrer in Deutschland sei das nicht so furchtbar, wie es es sich im ersten Moment anhört. Und Höflacher schränkt weiter ein: Zum einen kommen noch viele sporadische Skifahrer zu den 4,2 Millionen dazu. Im Krankenhaus bleiben müssen gut 6000 Unfallopfer in jedem Jahr.

Andererseits, und daran lässt der Stiftungsgeschäftsführer keinen Zweifel, ist jeder Verletzte auf der Piste einer zu viel. Höflacher rät den Wintersportlern dringend, sich gut auf den Skiurlaub vorzubereiten – und technische Hilfen zu nutzen.

An erster Stelle steht für ihn der Skihelm. Er rechnet vor: „500 bis 600 Skifahrer pro Jahr landen nach Unfällen mit Kopfverletzungen stationär im Krankenhaus. Und in gut 80 Prozent aller Fälle hätten die Verletzungen durch das Tragen eines Helms vermieden oder zumindest spürbar reduziert werden können.“ Argumente genug – für die Stiftung ebenso wie für den Deutschen Skilehrerverband, dessen Präsident Wolfgang Pohl ebenso eindringlich zum Helmtragen rät.

Helme seien durchaus erschwinglich. Erwachsene müssten für ordentliche Modelle zwischen 50 und 150 Euro einplanen; Kinder kommen schon für 30 bis 80 Euro an einen guten Kopfschutz. Der ist zudem schnell ausgesucht. Höflacher rät, auf das DIN-Zeichen zu achten. Nächstes wichtiges Kriterium ist die gute Passform, meint Höflacher: „Der Skihelm muss sitzen wie eine Mütze.“ Aufsetzen, festschnallen und kräftig mit dem Kopf wackeln, empfiehlt der SiS-Mann, „wenn der Helm dann wackelt, ist er zu groß.“ Kindern könne man den Helm auch aufsetzen und festschnallen und ihn dann festhalten. Können die Kleinen ihren Kopf im Helm bewegen, ist er zu groß.

Letztes Kriterium: Die Brille muss passen. Weder darf sie den Helm verschieben noch der Helm die Brille. Dazwischen müssen ein paar Millimeter frei bleiben, damit für ausreichende Belüftung gesorgt wird.

Der Helm ist nicht das einzige Utensil, das auf der Piste für Verletzungsschutz sorgt. Empfehlenswert sind auch diverse Protektoren. Pistenskifahrern rät Höflacher zumindest zu einem Rückenprotektor. Der wird entweder einzeln angelegt, ist in die Wäsche eingearbeitet oder in den Rucksack integriert. Kostenpunkt: 100 Euro aufwärts. Ein guter Schutz gegen Rückenverletzungen, weiß Höflacher. Die sind zwar nicht übertrieben häufig. Aber sie sind oft besonders schwer.

Snowboarder sollten zudem noch mindestens Handgelenkschoner tragen (kosten ab 30 Euro). Und wer seinen Winterurlaub großteils außerhalb der Piste verbringt, gerne springt und sich in Funparks austobt, sollte zum kompletten Sortiment greifen. Protektoren gibt es nicht nur Rücken und Handgelenke, sondern auch für Schultern, Ellenbogen, Knie und Hüften. „Das muss man sich dann vorstellen wie die Schutzkleidung eines Eishockey-Spielers“, sagt Höflacher. „Aber es trägt nicht so auf.“

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