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Viele Ost-Marken im Westen beliebt

Jürgen Stilling

Münster - Der Geschmack des Ostens hat sich auch im Westen breitgemacht: Nach dem Untergang der DDR führten vielen ostdeutsche Traditionsmarken ein Schattendasein. Doch Jahre später haben viele Produkte des Sozialismus eine Renaissance erlebt. 20 Jahre nach der Deutschen Einheit ist die Liste der Erfolgsmarken mit DDR-Vergangenheit lang.

Ein Beispiel ist die Halloren Schokoladenfabrik in Halle an der Saale. Die „Original Halloren-Kugeln“ sind nicht nur in ganz Deutschland, sondern auch international gefragt. Eine Erfolgsgeschichte hat auch die Sektkellerei Rotkäppchen geschrieben. Mit einem Marktanteil von 17 Prozent ist Rotkäppchen bundesweit die Nummer eins unter allen Sektmarken.

Mit dem Waschmittel Spee, das in der DDR zum Jahreswechsel 1968/69 auf den Markt kam, hat die ostdeutsche Warenwelt gemeinsam mit der Handcreme Florena auch in viele westdeutschen Haushalten Einzug gehalten. Biertrinker greifen auch in den alten Bundesländern immer öfter zum Ost-Schwarzbier Köstritzer und zum Radeberger Pilsener. Wer es noch alkoholhaltiger mag, trinkt gelegentlich Nordhäuser Doppelkorn. Selbst die ostdeutsche Club-Cola wird von manchen Wessis getrunken.

Eigentümer der Ostmarken sind heute jedoch in der Regel westdeutsche Konzerne: Henkel produziert und vertreibt Spee, Beiersdorf die Florena-Creme. Das Radeberger gibt inzwischen als Radeberger Gruppe sogar einer gesamten Tochtergesellschaft im Oetker-Konzern seinen Namen.

Doch nicht nur industrielle Marken aus dem Osten sind bundesweit oder teilweise weltweit bekannt. Auch regionale Spezialitäten aus den östlichen Bundesländern sind gefragt und als Gattungsbezeichnung sogar von der EU geschützt. Prominentestes Beispiel sind die Spreewälder Gurken aus Brandenburg. Schon in den 1870er Jahren fand der Schriftsteller Theodor Fontane, die Spreewaldgurke stehe an der Spitze der landwirtschaftlichen Produkte.

Allerdings gilt nach wie vor für alle Ost-Marken und -Spezialitäten: Die größte Marktanteile haben sie in der ehemaligen DDR. Eine Studie des Markenexperten Christian Duncker hat jüngst ergeben, dass alle Ost-Marken in den neuen Bundesländern deutlich höhere Marktanteile haben. Zu Rotkäppchen-Sekt greifen beispielsweise in den neuen Ländern über 48 Prozent der Käufer, in den alten nur 9,5 Prozent. Beim Waschmittel Spee liegen die Werte bei 31,6 bzw. 7,8 Prozent.

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