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Doktors Rezeptblock

Vielen Dank für Ihr Verständnis

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Sie kennen doch sicher das Lied von und mit Max Raabe: „Kein Schwein ruft mich an . . . “ Wer fragte mich jemals, ob ich mit kilometerweiten Baustellen auf der Autobahn einverstanden bin? Müsste doch möglich sein, 1000 Meter zu erneuern und dann den nächsten Kilometer, statt uns gleich eine Länge von acht bis zehn Kilometer als Straßenverengung (auf der ich dann oft nur acht bis zehn Arbeiter entdecke) aufzuzwingen.

Da kann ich mir schon ausrechnen, wann mich der nachfolgende LKW in den vor mir fahrenden Wohnwagenanhänger drückt. Und wenn ich es dann unbeschadet geschafft habe, empfinde ich das nächste „Entwarnungs-Schild“ als reine Häme. „Vielen Dank für Ihr Verständnis“. Eine Frechheit – da bedanken sich mir völlig Unbekannte für etwas, was ich so nie gebilligt hätte. Kein Schwein hat mich vorher angerufen und gefragt; es wird einfach vorausgesetzt.

„Vielen Dank für Ihr Verständnis“ könnte man auch bei manchen Lebensmitteleinkäufen sagen: Oft sind die Preise mehr als Schmerzensgeld zu verstehen. Wenn man z.B. aus einer Zucchini acht längliche Scheiben schneidet, die mit etwas Knoblauch und Kräutern in wenig Olivenöl brät, dann mit Zitronensaft, Peperoni und Gewürzen mariniert, hat man einen großen Teller voll für 1,20 Euro. Damit man nicht vom Hocker fällt, wenn die Rechnung für Gemüse-Antipasti kommt, haben die Sitze beim Italiener Rückenlehnen.

Mein absolutes Lieblingsgemüse ist die Tomate und natürlich auch die, die es auf den Antipasti-Tellern gibt (teilweise zu kaufen auf den Wochenmärkten und überall da, wo es auch Oliven gibt). Machen Sie sich so was doch selbst.

Beim türkischen oder gut sortierten Lebensmittelhändler kaufen Sie sonnengetrocknete Tomaten, die kosten nicht viel. Zwei Liter Wasser, ein Viertel Liter Weißwein und ein Achtel Liter Weißweinessig lassen Sie mit Lorbeerblättern und Knoblauch einmal aufkochen, geben die Tomaten hinein, nehmen den Topf vom Herd, lassen alles fünf Minuten ziehen, geben es auf ein Sieb, lassen die Tomaten mit leichtem Druck ca. vier Stunden abtropfen, marinieren dann mit Peperonistreifen und Knoblauchscheiben, Olivenöl, Zitronensaft und Essig. In Einmachgläsern verpackt, mit Öl bedeckt, halten sich diese Tomaten wochenlang im Kühlschrank, und sie kosten nur einen Bruchteil vom gekauften Fertigprodukt.

Meine absolute Lieblingszubereitung frischer Tomaten ist ein Tomatentatar bzw. -sugo der besonderen Art; dass es bester und frischester Zutaten bedarf, ist Voraussetzung. Basilikum wird in grobe Streifen geschnitten (wenn Sie Saft auf dem Schneidbrett entdecken, dann ist Ihr Messer stumpf), sofort mit bestem Olivenöl vermischt und einen Tag lang kalt – aber nicht in den Kühlschrank – gestellt. Die Tomaten werden auf der Oberseite kreuzförmig eingeritzt (der Stielansatz herausgeschnitten), kurz in heißes Öl getaucht (sofort platzt die Haut auf), dann in möglichst kaltes Wasser; enthäutet und entkernt wird das Fruchtfleisch gewürfelt, gesalzen, auf einem Sieb zwei Stunden in Raumtemperatur, dann in den Kühlschrank gestellt. Am nächsten Tag werden Basilikum und Tomaten – mit schwarzem Pfeffer vermischt – noch einmal durchgekühlt. Zum Servieren gebe ich Croutons in kleine Portionsschälchen, darauf mein Tomatensugo und als Topping geröstete Pinienkerne – das ist nicht teuer, es macht nur etwas Arbeit – so schmeckt der Süden. Wie immer wünsche ich eine charmante Zeit und vergessen Sie nicht: Alles wird gar.

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