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Filmrezensionen

„Villa Amalia“: Huppert auf Ischia

wn

Wer kann das spielen? Eine herbe Klavierspielerin, Komponistin sperriger Avantgardemusik. Sie ertappt ihren Mann (gespielt von Xavier Beauvois, Regisseur von „Von Menschen und Göttern“) beim Ehebruch und trifft die radikalste Entscheidung: den kompletten Bruch mit ihrem bisherigen Leben, alles verkaufen, die eigene Persönlichkeit ausradieren.

Sie landet auf Ischia in der Villa Amalia, liebt Männer und Frauen, hadert mit ihrem Vaterkomplex. Die Kamera fokussiert ihr Gesicht, immer wieder. Wer das spielen kann, ja: muss? Isabelle Huppert natürlich, entrückt-verhärmte Königin des europäischen Kunstkinos.

Auch hier ist sie ein Wunder. Sie hält die Spannung noch da, wo man ob der ausgestellten Ereignislosigkeit des Plots ins Zappeln geraten würde. Inszeniert hat das übrigens, elliptisch und

verrätselt, Benoît Jacquot, der hier an seine großartigen Frauenskizzen der 90er („La Fille Seule“) ebenso anknüpft wie an seine artifiziellen Opernregien der jüngeren Zeit. Ohne die simplen Psychologisierungen des Schlussteils wäre ihm hiermit gar sein

Meisterstück gelungen. Sehenswert.

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