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Hereafter - Das Leben danach

Visionen vom Jenseits

Hans Gerhold

Clint Eastwood, Urgestein des amerikanischen Kinos, überrascht immer wieder mit Filmen, die in seiner ganz eigenen Liga spielen. Im Fall von „Hereafter - Das Leben danach“ reflektiert er am Beispiel dreier Geschichten aus Paris, San Francisco und London über Nahtoderfahrungen, das Überleben nach einem Tsunami, die Trauer über geliebte Personen und die mögliche Verbindung mit dem „süßen Jenseits“, (Film von Atom Egoyan und wohl der beste zum Thema).

Eastwoods einer Meditation nicht unähnliche Episoden beginnen mit dem größten Spezialeffekt seiner Karriere, einem Tsunami, der im Urlaubsort in Thailand die französische TV-Journalistin Marie (Cécile de France) aus der Bahn wirft. Sie nimmt eine Auszeit und widmet sich dem Phänomen jener Nahtode, die sie selbst, Visionen inklusive, erlebt hat.

In San Francisco arbeitet George (Matt Damon), früher ein gesuchtes Medium, in einer Zuckerrohrfabrik. Nur so glaubt er, ein normales Leben führen zu können. Die bloße Berührung der Hände seiner Kunden ermöglichte ihm Kontakte mit deren verstorbenen Angehörigen. Da er die Gabe für einen Fluch hält, versucht er, entsprechende Berührungen zu vermeiden. Doch er wird weiter heimgesucht.

In London wird der junge Marcus (Frankie McLaren) nicht mit dem Unfalltod seines Zwillingsbruders fertig, Während die drogenabhängige Mutter behandelt wird, sucht er nach Erklärungen. Auf der Londoner Buchmesse führt Eastwood die drei Geschichten zusammen . . .

Eastwood geht die nur gelegentlich das Fantasy-Genre der Geisterflüsterer streifende Geschichte klug an, weil er besonnen und ernsthaft erzählt, sich ohne Mumpitz, neugierig und ohne Vorurteile den miteinander verbundenen Themenkomplexen nähert und vor allem um die Personen kümmert und ihnen ihre Würde belässt.

Selbst ein italienischer Kochkurs wird nicht Karikatur, sondern subtile Studie über Georges Sackgasse. Und was die Kappe eines Jungen mit dem U-Bahn-Anschlag von 2005 zu tun hat, sollte man in diesem sehr reifen Werk selbst erleben. Sehenswert.

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