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Die Drei Fragezeichen

Vollplaybacktheater begeistert mit dem Kapartenhund

wn

<1>Münster – Wer gehofft hatte, die „Drei Fragezeichen“ in Reinkultur zu erleben, der wurde am Dienstagabend in der Halle Münsterland enttäuscht. Wer sich jedoch auf ein Ensemble einließ, das sich irgendwo zwischen Monty-Python-Charme und höchst kreativem Schultheater bewegte, erlebte einen gelungenen Abend mit dem Vollplaybacktheater in der Halle Münsterland. Die sechs Kopf starke Truppe aus Wuppertal begeisterte die Zuschauer im Saal der Halle Münsterland mit ihrer Version von „Die drei Fragezeichen und der Kapartenhund.“ Dabei sah das, was zu Beginn des über zweistündigen Programms auf der Bühne zu sehen war, nicht nach gekonnter Theaterkunst aus. Wie bei der Arbeitsgemeinschaft Schülertheater des elften Jahrgangs hingen Stoffbahnen über einem Spanplattenkonstrukt und in dessen Mitte prangte ein großer Bildschirm. In wild zusammengesuchten Klamotten gekleidete Schauspieler betraten die Bühne. Scheinbar völlig überzogen bewegten die sich anfangs zu den Stimmen von Justus Jonas, Peter Shaw und Bob Andrews aus dem Off. Zerstört wurde schon nach den ersten fünf Minuten das Bild, das sich manch eingefleischter Drei-Fragezeichen-Fan seit der ersten deutschen Hörspielausgabe 1979 zurechtgelegt hatte. Denn anders als beim reinen Ton überlässt die Bühne nichts der Fantasie. Eben hier setzt das Vollplaybacktheater an. Statt die Vorstellungen hunderter Besucher erfüllen zu wollen, zeigten die Schauspieler, was das Hörspiel nicht verrät und deuteten die vielen für die Bühne überflüssigen Informationen einfach um. So schufen sie zum Beispiel ein drolliges Verwechslungsspiel mit den Namen Justus, Peter und Bob, die in der Hörspielfassung schier unendlich oft aufzutauchen scheinen. Zudem ergänzten sie das Playback um weitere charmante Tonsequenzen, dank derer neben den drei Detektiven auch Ernie und das Krümelmonster, Geisterjäger John Sinclair und die Nonnen aus Sister Act auf der Bühne standen. Getanzt wurde zu „Ding, Dong, the witch is dead“ und eine Praline aus der berühmten Schachtel von Forrest Gump gab es dann auch noch. Alles schien in dieser Show – anders kann man das Feuerwerk an einfachen aber kreativen Kostümen und Bildern, Übergängen und Tanzeinlagen nicht nennen – erlaubt zu sein. Ein Highlight war sicherlich die Tanzeinlage von Karl und Klößchen (die größte Hörbuchkonkurrenz TKKG durfte nicht fehlen) bei Hugo Egon Balders „Tutti Frutti“. Ebenso das Potpourri der bekanntesten Fragen, die Justus, Peter und Bob im Laufe ihrer inzwischen weit über 100 Folgen langen Karriere bereits gestellt haben. Eine davon war absurder als die nächste. Ihr Auftraggeber in „Die drei Fragezeichen und der Kapartenhund“, Mr. Plentice, hörte sich diese verwirrt von einem zum anderen blickend an und sagte dann zum Publikum gewandt: „Ja, das sind alles Fragen, die mir die Polizei auch schon gestellt hat.“ Die Zuschauer kringelten sich vor Lachen. Die Vorstellung in Münster war ausverkauft. So sind es auch kommende in Bremen, Kiel, Hamburg, Osnabrück und anderswo. Wo das Ensemble aufläuft, füllt es den Saal. Der Grund dafür liegt auf der Hand. Die Truppe greift mit den „Drei Fragezeichen“ eine der treuesten Fangemeinden Deutschlands ab. Sie sind Nutznießer eines Themas, mit dem sich hunderttausende Menschen identifizieren können. Ihnen bieten sie ein kreatives Bühnenprogramm mit Stimmen und Szenarien, die sie lieben – und schaffen dabei etwas völlig Neues, was Spaß macht.

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