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Sandras Blog

Vom „Guten Morgen“, „Guten Tag“ und „Guten Abend“ zum „Moin“

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Moin – damit macht man in Wilhelmshaven nie etwas falsch. Als echte Gronauerin, also der hochdeutschen Sprache verpflichtet, ist es schon ungewohnt, sich an die sprachliche Kultur im Norden zu gewöhnen. Obwohl es doch so einfach ist: Morgens, 8.00 Uhr, Vorlesungsbeginn – Moin. 12.00 Uhr, essen in der Mensa – Moin. 16.00 Uhr, einkaufen beim Discounter – Moin. 21.00 Uhr kurzer Klatsch & Tratsch mit den Nachbarn – Moin. So langsam sollte ich es eigentlich hin bekommen. Was ich schon geschafft habe ist die Umstellung auf den Frühling. Auch wenn ich natürlich nur eine von vielen war, die vergessen hatte, ihre Uhr am Wochenende vorzustellen – oder doch zurück?. Naja. Ich muss es auch wohl etwas umformulieren. Meine Frühjahrs-Umstellung konzentrierte sich nämlich auf den Frühjahrsputz. Hotel Mama war gestern. Heute muss ich selber den Staubwedel schwingen. Die Motivation war ungefähr so groß wie beim morgendlichen Aufstehen. Aber: Staubsaugen, Staub wischen und das Bad putzen habe ich geschafft. Richtig stolz habe ich das natürlich direkt meiner Mutter via SMS mitgeteilt. Ihre Reaktion kam dem norddeutschen Humor ziemlich nahe – „schön“. Kurz, knapp, bündig. Vielleicht ist das auch die Erklärung, dass man nur „Moin“ sagt – kurz, knapp, bündig. Was ich beim ganzen putzen natürlich nicht bedacht hatte, war meine soziale Ader. Denn ich habe vorgeschlagen, dass man sich heute Abend in einer gemütlichen Runde doch in meiner Wohnung treffen könne. Ich werde also nochmal von vorne anfangen müssen – dann lohnt es sich wenigstens auch richtig. Das Einzige was mich hier „oben“ immer noch etwas erschreckt, sind die Busfahrer. Oder ist es etwa normal, nach 14 Tagen vom Busfahrer mit „Dich kenne ich doch schon“, begrüßt zu werden? Überall sonst wohl eher nicht, weil solche Begrüßungen womöglich einen Stalker entlarven könnten. In Wilhelmshaven aber - so habe ich mir zumindest sagen lassen - ist das normal. Wilhelmshaven ist zwar immer noch ein wenig größer als Gronau, aber die Menschen rücken hier trotzdem alle etwas näher zusammen und machen mir das Leben hier richtig leicht. Von daher steige ich nun jeden Morgen zu meinem netten Busfahrer in den Bus mit einem freundlichen „Guten Morgen“ – Verzeihung, ich meine natürlich „Moin“.

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