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Vom Tod zum Leben finden

Hans Gerhold

Ausgerechnet Tod, Trauer und die nicht in Worte zu fassende Bestürzung über den Verlust eines geliebten Menschen bilden in Doris Dörries „Kirschblüten - Hanami“ den Ausgangspunkt einer poetischen Liebesgeschichte, die zum Fujiyama führt.

Für Dörrie nach „Erleuchtung garantiert“ (mit Uwe Ochsenknecht und Hans-Gerd Wöhler) und „Der Fischer und seine Frau“ (mit Alexandra Maria Lara und Christian Ulmen) der dritte Ausflug ins Reich der Sonne, die dem sehr reifen und durchdachten Film sichtlich gut getan hat.

Die innere und äußere Reise beginnt in einer Kleinstadt in Bayern, wo Trudi (Hannelore Elsner) erfährt, dass Ehemann Rudi (Elmar Wepper) Krebs im Endstadium hat. Trudi verschweigt die Diagnose, überredet den an der Alltagsroutine beharrlich festhaltenden Gatten zu ein paar Tagen Urlaub an der Ostsee und zu einem Besuch bei den in Berlin lebenden Kindern.

Die sind nicht sehr glücklich über die so unerwartet auftauchenden Eltern, als das Schicksal zur Halbzeit des Films eine noch größere Kapriole schlägt. Nicht Rudi stirbt, sondern Trudi wacht eines Morgens nicht wieder auf. Der Witwer erfährt erst jetzt von den Sehnsüchten seiner Frau, die gern Butoh-Tänzerin geworden und nach Japan gereist wäre.

Von diesem Augenblick an gehört der Film Elmar Wepper, den man als bodenständigen Darsteller kennt, der stets ein wenig im Schatten seines Bruder Fritz steht, aber zu Charakterrollen fähig ist, etwa an der Seite von Martina Gedeck in „Deine besten Jahre“ – und der für sein Spiel in Dörries Film verdient den Bayerischen Filmpreis erhalten hat. Dieser Rudi, für den der tägliche Weg ins Büro bis in alle Ewigkeit weiter gehen soll, packt die Koffer und reist für Trudi ins ferne Japan.

Dort überwindet der Mann, der für den schönen Running Gag mit Apfel sorgt, Kulturgrenzen. Er traut sich aus dem engen Apartment seines vereinsamten Sohnes (Christian Brückner), entdeckt die Großstadt Tokio und freundet sich im Park unter blühenden Kirschbäumen mit der Butoh-Tänzerin Yu (Aya Irizaki) an.

Was Rudi in Japan erlebt, gehört zu den schwebenden Momenten des Films, der trotz Tod und Trauerrand nicht traurig macht. Dörrie arbeitet mit Metaphern und Symbolen, zu denen die unerhört schönen Kirschblüten und das Weg-Bügeln einer Träne gehören. In der zweiten Hälfte entfaltet „Kirschblüten“ eine im deutschen Kino seltene emotionale Kraft. Und bietet Elmar Wepper die Rolle seines Lebens.

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