1. www.wn.de
  2. >
  3. Archiv
  4. >
  5. Vom Zaungast zum Geschäftsführer

  6. >

Ahlener Spielvereinigung

Vom Zaungast zum Geschäftsführer

wn

Er hat ihnen immer gerne zugeschaut. Beim Training der Ahlener Hockeymannschaft befand sich Refik Tosun regelmäßig in der Realschulhalle und saugte die Atmosphäre in sich auf. Ihm gefiel das Zusammengehörigkeitsgefühl, das nach dem absolvierten Training in der Kabine zu spüren war.

„Da hat es regelmäßig bei mir gekribbelt“, erklärt Tosun, der als junger Mann in der Fußball-Oberliga kickte, aber nach Hochzeit und angefangener Lehre seine sportliche Laufbahn unterbrach. Nach 20 Jahren Abstinenz war die Hemmschwelle zunächst zu groß, im Hockeysport wieder ganz von vorn zu beginnen. So blieb er erst einmal der Zuschauer.

Doch schnell entwickelte sich eine Freundschaft zwischen Harry Stry, dem damaligen Geschäftsführer der Ahlener Spielvereinigung, und Refik Tosun, der regelmäßig auf der Tribüne saß. Und so erfuhr Tosun auch schnell, dass es um das Team nicht gut bestellt war. Zu wenig Spieler hatten noch Interesse an dem Verein. Den Ligabetrieb aufrecht zu erhalten, war kaum noch möglich.

Und so wuchs bei Stry eine Idee. „Möchtest du den Verein nicht weiterführen?“, fragte er den ewigen Zaungast. Die Zweifel, die Tosun zunächst hatte, zerstreute der engagierte Hockeyspieler schnell. Organisatorische Hilfe würde er ihm geben. Zudem könne Tosun den Verein so gestalten, wie er wolle. Schnell hatten sich weitere Personen gefunden, die in ihrer Freizeit den Hockeyschläger in die Hand nehmen wollten. Doch auf Anregung Tosuns sollte der Wettkampf nicht mehr im Vordergrund stehen, sondern der Breitensport. Ihm war es wichtiger, dass man sich gemeinsam bewegt, als dass man gemeinsam Ligaspiele bestreitet.

„Wir hatten damals andere ehrgeizige Ziele. Wir wollten uns um Jugendliche am sozialen Rand kümmern und mit ihnen eine sportliche Basis aufbauen, um sie von der Straße zu bekommen. Ein nächtliches Hallensportangebot schwirrte uns im Kopf herum“, erzählte Tosun. Abgehakt sind die Pläne noch nicht. Doch durch den Umzug Strys nach Plau am See stand Tosun weitestgehend allein da. „Alles, was ich mache, muss Hand und Fuß haben“, erklärt er seine Einstellung, die dazu führt, dass er erst einmal das Männerangebot stabilisieren muss. Hier werden die Jugendlichen derzeit eingebunden. „Ich finde es einzigartig, dass bei uns 18-Jährige mit 48-Jährigen zusammenspielen“, beschreibt Tosun die Situation.

Das nächste Ziel ist die Integration der türkischen Frauen, die mit einem eigenen Angebot ebenfalls sportlich betreut werden sollen. Seit einem Jahr gibt es bereits eine Schwimmgruppe, für eine weibliche Hallensportgruppe läuft bereits die Planung.

Startseite