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USC Münster

Von Aßmann bis Wensink

Wilfried Sprenger

Münster - Es war warm an diesem Tag in der Sporthalle Berg Fidel. Sehr warm. Gefühlt sicher 40 Grad. Und voll war es auch. Offiziell sollen 4500 Zuschauer Zeuge des „Endspiels“ um die Deutsche Meisterschaft im Frauenvolleyball zwischen dem USC Münster und den Roten Raben Vilsbiburg gewesen sein. Es gab auch andere Zahlen: 5000, ja sogar von 5500 Besuchern wurde gesprochen. Jedenfalls passte beim Anpfiff kein Mäuschen mehr auf die Tribünen. Schulter an Schulter hockten die Menschen auf den langen blauen Bänken. Feuerten ihre Mannschaft an und fielen sich nach dem Matchball jubelnd in die Arme. Durch einen 3:0-Erfolg errangen die Unabhängigen am 15. Mai 2005 ihren neunten deutschen Meistertitel. Gestern jährte sich der Tag des vorerst letzten großen Triumphes des USC zum vierten Mal. Tanja Hart, die Zuspielerin, denkt noch immer sehr gern an den großen Tag zurück. „Es war umwerfend. Da gab es ja sogar Leute, die draußen auf den Bäumen gehockt haben, um irgendetwas mitzubekommen.“ 13 Spielerinnen schmückten sich nach dem Spiel mit Goldmedaillen. Das machen sie heute:

Sandra Aßmann:War beim Titelgewinn 19 und damit die jüngste der drei Zuspielerinnen. Aßmann hatte großes Verletzungspech (Kreuzbandriss), wechselte später nach Warendorf. Heute lebt sie in Bremen.

Lisa Beinborn: Die heute 23-Jährige sorgte im Meisterjahr als Wechselspielerin für Entlastung. Den großen Durchbruch schaffte sie nicht. In der abgelaufenen Saison spielte sie für den Süd-Zweitligisten TBS Saarbrücken.

Andrea Berg: Als das Meisterteam 2005 auf die Knie fiel und die obligatorische Raupe bildete, kroch die „Bergsche“ voran. Als Spielführerin trägt die 28-Jährige weiter Verantwortung. Leider stoppte ein Kreuzbandriss den Tatendrang der Blondine. Berg ist die einzige im Erstligateam verbliebene USC-Spielerin. Sie hat noch einen Vertrag bis 2011.

Alice Blom: Die fliegende Holländerin, eine wahre Frohnatur, ist mittlerweile in Italien gelandet. Genauer gesagt in der schönen Lombardei. Mit Villa Cortese feierte die 29-Jährige unlängst die Meisterschaft in der Zweiten Liga.

Nathalie Dambendzet: Die zurückhaltende Ungarin verließ Münster der Liebe wegen. Nach dem Double mit Münster wechselte sie zum Schweizer Erstligisten Kanti Schaffhausen. Mittlerweile spielt die 33-Jährige - nach einem Zwischenstopp in Lichtenvoorde - bei Le Cannet-Rocheville. Mit dem französischen Spitzenteam wurde Dambendzet 2008 Vizemeister und Zweiter im CEV-Pokal.

Jil Döhnert: Die Mittelblockerin wartete in Münster vergeblich auf den großen Wurf. Zumeist war sie auf ihrer Position zweite Wahl. Im vergangenen Sommer wechselte sie zum Aufsteiger Allianz Stuttgart. Dort fasste die 23-Jährige rasch Fuß.

Tanja Hart: Die bekennende Fränkin lehrt an einer Schule in Höchstadt an der Aisch Englisch und Sport. Mit dem Volleyball hat die dreimalige Teilnehmerin an Olympischen Spielen abgeschlossen. „Hin und wieder spiele ich noch in einer Lehrermannschaft, mehr aber nicht“, erklärt die ehemals beste deutsche Zuspielerin, die nach ihrem Engagement in Münster noch in Wiesbaden spielte.

Alisa Kasselmann: Als 16-Jährige gewann sie mit Münster den Pokal, als 17-Jährige die Meisterschaft. Und schon stellte die Szene Parallelen zur großen Angelina Grün her. Zu viel der Ehre, schon Anfang 2006 erklärte Trainer Axel Büring die junge Angreiferin für nicht leistungssporttauglich. Nach einer Knie-OP geriet Kasselmann noch weiter ins Abseits. Beim Zweitligisten Warendorf wagte sie ein Comeback. Seit Sommer 2008 schmettert die Lehramtsstudentin für den VC Bottrop. In der Oberliga. Ende eines Traums.

Ester Schulz: Die international erfahrene Tschechin hält sich im Zweitliga-Team des USC fit. In der letzten Saison spielte sie mehrmals auf der Libero-Position. Die 35-Jährige, die früher Volicerova hieß, ist mit dem Sportlichen Leiter des USC, Jürgen Schulz, verheiratet.

Kim Staelens: Die hübsche Niederländerin mit belgischen Wurzeln spielt zurzeit in „Bella Italia“ zu. Mit Sirio Perugia zog die 27-Jährige ins Play-off der Serie A Uno ein. Der Vorrunden-Sechste scheiterte im Viertelfinale. Ein Wort zu Kims älterer Schwester Chaine, die bis 2004 das münsterische Trikot trug: Sie steht in Russland bei Dinamo Moskau unter Vertrag.

Janneke van Tienen: Wie Staelens verdient auch „Jip“ in Perugia das Geld für die Brötchen und noch ein bisschen mehr. Im letzten Meisterjahr des USC war die 29-Jährige dem Team als Libera ein zuverlässiger Rückhalt.

Johanna Thewes: Beim Titelgewinn vor vier Jahren hieß Thewes noch Reinink. Die 34-Jährige ist ein USC-Urgestein und blieb auch nach dem offiziellen Ende ihrer Karriere im Jahr 2006 weiter am Ball: In der vergangenen Serie hatte die Ex-Nationalspielerin sogar wieder einen Erstliga-Einsatz.

Caroline Wensink: In Münster hatte die Holländerin einen eigenen Fanclub. Die 24-Jährige war der Liebling des Publikums. Wie viele ihrer Landsfrauen wollte sie nach Italien. Das hat (noch) nicht geklappt. Dafür etwas anderes: Mit Amstelveen wurde sie just Landesmeisterin.

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