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Mein Cannes-Tagebuch (10

Von Quentin Tarantino lernen heißt Filme lieben

Hans Gerhold

Kurz vor Schluss des Festivals gab Quentin Tarantino eine jener seit 2000 in Cannes durchgeführten Master Classes oder Lecons de cinéma, die zunehmend populärer wurden und aus einem kleinen Saal rasch in den zweitgrößten Saal wechselten, wo man bislang etwa Wong Kar-Wai, Nanni Moretti, Martin Scorsese oder dem Komponist Patrick Doyle zuhören konnte. Die Qualität der Interviewer ist so unterschiedlich, wie die Temperamente der Künstler.

Bei Quentin Tarantino, der 2004 Jury-Präsident in Cannes war, brauchte Moderator Michel Ciment vom Magazin Positif nur Stichworte zu geben, der Meister von „Reservoir Dogs“, „Pulp Fiction“ (Goldene Palme 1994), „Jackie Brown“, „Kill Bill“ und „Death Proof“ explodiert ja stets vor Auskunftsfreude und Anekdoten und ist freigebig wie kaum ein anderer mit Hinweisen, Ratschlägen und Witzen, über die manchmal nur er lachen kann.

Die gesamte gefilmte Stunde wird sicher bald im Fernsehen laufen, deshalb hier ein paar Eindrücke. Tarantino, das ist tief in seiner Biografie verankert, rät künftigen Filmemachern, nicht auf eine Filmschule zu gehen, sondern Schauspielerkurse zu besuchen, weil man dort mehr über Charaktere lerne. Wer schreiben will, brauche keine Schule zu besuchen, das könne man nicht lernen, man müsse es in sich haben und weiter entwickeln. Er selbst habe an Workshops in Sundance mit Terry Gilliam, der seine frühen Filmversuche mochte, und mit Volker Schlöndorff teilgenommen, der sie verabscheute. So sei das mit seinen Filmen: Man hasst sie oder liebt sie.

Wer sagt`s denn, da findet das Kino, das ich liebe, eine weitere Bestätigung. Jetzt kann ich beruhigt nach Münster zurück fliegen und im Vorbeigehen zusehen, wie das riesige Plakat von Charlize Theron (Foto) an der Wand des Rathauses von Cannes abgebaut wird. So, das wär`s aus Cannes.

See You Rasta!

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