1. www.wn.de
  2. >
  3. Archiv
  4. >
  5. Von Zaungästen und Freizeit

  6. >

yangoContent

Von Zaungästen und Freizeit

Michael Schulte

Die Nationalspieler hatten frei. Von Montagnachmittag bis gestern Abend. Jeder durfte machen, was er wollte. Keiner musste sich um Fußball kümmern. Training fiel aus, und auch die Gedanken an den nächsten Gegner Argentinien wurden für eineinhalb Tage verschoben. Wer wollte, der konnte auf Safari gehen. Oder Tennis spielen. Vielleicht auch mal etwas einkaufen.

Und seine Familie treffen. Wie Sami Khedira, der die freie Zeit mit seinem Vater und seinem Bruder verbracht hat. Einige Spielerfrauen oder Freundinnen sind auch in Südafrika, aber nur einige. Miroslav Klose wurde gefragt, ob er die Zeit zum Kuscheln nutzen wird. „Da meine Frau nicht hier ist, müsste ich mit Harald (gemeint ist Mediendirektor Stenger) kuscheln. Da kann ich mir wahrlich etwas Schöneres vorstellen.“

In jedem Fall war gestern am Velmore Grande Hotel nichts los. Keine Mannschaft, keine Termine, keine Medien. Nicht mal Fans. Normalerweise ist das anders.

Das Hotel der deutschen Mannschaft liegt bei Pretoria. Genauer gesagt liegt es mitten in der Pampa. Wie das Hotel von innen aussieht, keine Ahnung. Da kommt niemand herein. Dafür sorgen die Sicherheitsleute, die jeden Eingang in doppelter Besetzung bewachen (nur gestern hatten sie frei).

Zwischen dem Hotel und dem Pressezentrum wurde ein blickdichter Zaun aufgestellt. Der ist knapp zwei Meter hoch. Wer groß genug ist, kann darüber schauen, darf er aber nicht. Er könnte einen Nationalspieler sehen, der sich gerade vor dem Hotel aufhält. Wer fotografiert, dem droht der Rauswurf. Ein Kollege hat durch eine Zaunlücke gelugt: Sofort wurde die Lücke geschlossen.

Ich habe es schon bis hinter den Zaun geschafft. Das gelingt, wenn man Einzelinterviews mit den Spielern anmeldet. Dann wird man am Eingang abgeholt und in ein Nebengebäude des Hotels geführt. In meinem Fall ist das Manuel Neuer. Dann geht es herein, oder man bleibt auf der Terrasse, wo schon der Bundestrainer zum Interview sitzt, der „Poldi“ auch und der Lahm auch.

Und dann unterhalten wir uns normal. Bis einer vom DFB kommt und sagt: „Die Zeit ist um.“ Und schon sind wir wieder auf der anderen Seite des Zauns.

Startseite