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Filmrezensionen

"Vorsicht Sehnsucht": Das Portemonnaie der fremden Frau

Hans Gerhold

Eine Handlung wird man in Alain Resnais´ cineastisch versiertem, boulevardeskem Verwirrspiel „Vorsicht Sehnsucht“ kaum finden, vielmehr auf ein Konversationsstück treffen, das sich souverän über Erzählkonventionen hinwegsetzt. Rentner Georges (André Dussolier) findet das Portemonnaie einer fremden Frau und entwickelt sich zum Stalker, bis er Marguerite (Sabine Azéma), Zahnärztin und Chaos-Frau, tatsächlich gegenübersitzt.

Sie nimmt seine Worte als Andeutungen, während er nur seine Anziehungskraft testen will. Um das Paar herum gruppiert Resnais („Herzen“) Figuren wie den grenzüberschreitenden Polizisten (Matthieu Amalric) und die Familie von Georges. Viele Szenen scheinen pure Projektionen der Figuren zu sein, mehrere Erzähler spekulieren über die Handlung und Motive der Beteiligten.

Irgendwann hat die Kamera, die in der besten Szene Raum-Zeit-übergreifend und ungeschnitten, wie in den Filmen von Theo Angelopoulos agiert, genug und zieht sich willkürlich aus dem Geschehen zurück. Was war denn da los?

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