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Verfahren vor dem Arbeitsgericht

Vorwurf gegen Pflegekraft: Kaffeetrinken statt Krankenbetreuung?

Martin Kalitschke

Münster - Der Vorwurf wiegt schwer: Die Mitarbeiterin eines Pflegedienstes soll mit einem Bekannten Kaffee getrunken haben, statt sich um den ihr anvertrauten Patienten zu kümmern. „Der künstlich beatmete Mann muss 24 Stunden beobachtet werden, er wäre fast erstickt“, berichtete der Geschäftsführer eines Pflegedienstes vor dem Arbeitsgericht.

Am Abend des betreffenden Tages habe man den Patienten ins Krankenhaus bringen müssen - und das nur, so der Geschäftsführer, weil die Krankenschwester sich nicht um ihn gekümmert habe.

Noch am selben Tag teilte er der Mitarbeiterin mündlich die fristlose Kündigung mit. Wenig später erstattete er Strafanzeige wegen Verstoßes gegen den Datenschutz und das Sozialgeheimnis, da sie einen Fremden in die Wohnung des Patienten gelassen habe. Zudem wirft ihr der Geschäftsführer unterlassene Hilfeleistung vor.

Die Strafanzeige war am Dienstag vor dem Arbeitsgericht Münster aber kein Thema. Stattdessen ging es um 400 Euro, die die Krankenschwester für die vorübergehende Betreuung des Patienten erhalten hatte. Der Geschäftsführer forderte nicht nur diesen Betrag zurück, sondern auch noch 1200 Euro Schadensersatz.

Der Richter machte kurzen Prozess: Nachdem die Krankenschwester angeboten hatte, die 400 Euro zurückzuzahlen, drängte er den Inhaber des Pflegedienstes, dieses Angebot anzunehmen - und auf den Schadensersatz zu verzichten. „Machen Sie aus der Mücke keinen Elefanten“, forderte der Richter.

Die Krankenschwester wies übrigens alle Vorwürfe von sich. Nicht sie habe den Bekannten in die Wohnung gelassen, sondern eine dritte Person. Sie habe auch keinen Kaffee getrunken, sondern sich, wie gefordert, ständig um den Patienten gekümmert. Vor dem Gerichtssaal äußerte sie heftige Kritik an dem Geschäftsführer.

Nach der Verhandlung betonte der Geschäftsführer des Pflegedienstes, dass er die Strafanzeige nicht zurücknehmen werde. Derweil arbeitet die Krankenschwester bereits für ein anderes Unternehmen. Der Job bei dem anderen Unternehmen sei ohnehin nicht ihr Ding gewesen, sagte sie.

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