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Kulturausschuss

Wagenfeldstraße und Castellestraße werden umbenannt

Neuenkirchen-St. Arnold - Die Wagenfeld- und die Castellestraße werden umbenannt. Das beschloss der zuständige Kulturausschuss der Gemeinde am Mittwoch bei einer Enthaltung einstimmig. Nach der Agnes-Miegel-Straße wird nun zwei weiteren Nazi-Symphatisanten die Ehre eines Straßennamens entzogen. Weiterer Bericht folgt

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Neuenkirchen-St. Arnold - Die Wagenfeld- und die Castellestraße werden umbenannt. Das beschloss der zuständige Kulturausschuss der Gemeinde am Mittwoch bei einer Enthaltung einstimmig. Nach der Agnes-Miegel-Straße wird nun zwei weiteren Nazi-Sympathisanten die Ehre eines Straßennamens entzogen. Von den Anliegern war niemand zu der Kulturausschusssitzung in der Realschule gekommen. Lediglich eine AJG-Schulklasse von Lehrer Karl-Heinz Reinartz hörte sich die Begründungen von Verwaltung und Fraktionen an, nach der Agnes-Miegel-Straße auch die Wagenfeld- und die Castellestraße umzubenennen. Außerdem waren erneut Hiltrud Geburek von der jüdischen Gemeinde Münster und Hüseyin Avlar, 2. Vorsitzender des Integrationsrates Münster, dabei. Enthalten hatte sich der Abstimmung Andrea Hater. Sie und ihr SPD-Fraktionskollege Peter-Ulrich Wiesmann betonten Meinungsverschiedenheiten innerhalb der SPD-Fraktion. Während sich Wiesmann klar für eine Umbenennung der Straßen aussprach, beklagte Andrea Hater die „einseitigen Informationen“ der Verwaltung. Hater versuchte, Entschuldigungen für das Verhalten der Heimatdichter und Nazi-Propagandisten Wagenfeld und Castelle zu finden. „Deutschland war damals vom Ausland bedroht. Da gab es immer welche, die für die Heimat eintraten“, sagte die SPD-Frau. Wagenfeld sei lediglich „ein Spiegelbild seiner Zeit“ gewesen. „Viele waren so und keiner weiß, wie wir uns verhalten hätten.“ <2>Diese Einschätzung konnte Klaus Beckmann, Hauptamtsleiter im Rathaus, nicht so stehen lassen. Beckmann hatte sich in Vorbereitung auf die Straßennamendiskussion intensiv wissenschaftlich mit der historischen Rolle von Miegel, Wagenfeld und Castelle beschäftigt und eine umfangreiche Verwaltungsvorlage erstellt. „Wagenfeld und Castelle waren antisemitische und rassistische Propagandisten und Meinungsbildner, die den Nazis mit ihren Schriften den Weg bereitet haben“, betonte Beckmann. Beide hätten die nationalsozialistische Ideologie „aktiv propagiert“ und ein „radikales Menschenbild“ vertreten. „Es ist eine Fehleinschätzung, sie lediglich als Verfechter des Vaterlandes darzustellen“, sagte Beckmann. Ellen Pfennig brachte das Ansinnen des Kulturausschusses und damit der Gemeinde Neuenkirchen auf den Punkt: „Es geht nicht darum, über das Verhalten von Wagenfeld und Castelle zu richten. Für uns geht es um die Frage, ob wir solche Personen noch mit einem Straßennamen ehren können.“ Die Kommune müsse „ein Zeichen setzen“ und sich von Nazi-Propagandisten wie Miegel, Wagenfeld und Castelle „klar distanzieren“. Das geschehe mit der Umbenennung der Straßen. Bürgermeister Franz Möllering betonte die Verantwortung von Castelle und Wagenfeld, die sie mit ihrer Nazi-Propaganda trügen: „Das waren intelligente Menschen, die gewusst haben, was sie tun.“ Vor allem Castelle habe „sehr intensiv mitgemischt“. Wolfgang Bursch (CDU) äußerte zwar Verständnis für die Bedenken der Anlieger und deren Unannehmlichkeiten. Im „Abwägungsprozess“ sei die CDU-Fraktion jedoch „uneingeschränkt“ zu dem Urteil gekommen, die Straßen umzubenennen. „Besondere Brisanz erhält die Frage dadurch, dass das Betreuungszentrum St. Arnold an der Wagenfeldstraße liegt“, sagte Bursch. Wie berichtet, hatte Wagenfeld geäußert, „Menschen in Krüppel- und Idiotenanstalten (und) Fürsorgeheimen“ seinen „körperlich und geistig minderwertig“. Christoph Holtkamp (UWG) forderte, nach der Umbenennung der Agnes-Miegel-Straße nun „konsequent“ weiterzumachen. „Bei Agnes Miegel gab es ja noch Diskussionen. Hier liegt der Fall jedoch noch eindeutiger“, sagte Holtkamp. Über neue Straßennamen wird der Ausschuss später entscheiden, die Anlieger dürfen dafür Vorschläge machen.

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