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Politik Inland

Wahlkampf: Hoffen auf Steinmeiers Jobwunder

unserem Mitarbeiter Volker Resing

Berlin - Der Plan war nicht da. Am Montagmittag hatte die Sozialdemokratische Partei Deutschland (SPD) zu einer Pressekonferenz gebeten. Der Parteivorsitzende Franz Müntefering war angekündigt. Kanzlerkandidaten Frank-Walter Steinmeier (SPD) jedoch fehlte. Im Foyer des Willy-Brandt-Hauses unter dem übergroßen roten SPD-Würfel waren Stuhlreihen aufgestellt. Zahlreiche Journalisten kamen. Die Zeitungen und Radiosendungen waren voll mit dem „Deutschland-Plan“ von Steinmeier. Man konnte hoffen, nach der für die SPD schrecklichen Dienstwagen-Woche würde es an diesem Montag besser.

Das Gegenteil war der Fall. Alle redeten über das erhoffte Job-Wunder des roten Spitzenmanns. Das Schlimmste aber: Bei der SPD tauchte weder der Autor des 67-seitigen Papiers auf, noch gab es das Ganze in Schriftform. Keine Broschüren, keine Kopien, nichts. Auch im Internet keine Spur von Steinmeiers Dossier. Öffentlich zugänglich war nichts von dem, was alle aber schon besprachen. Das werde erst nachmittags vorgestellt, erklärte eine Mitarbeiterin. Bei einer Veranstaltung der Karl-Schiller-Stiftung, so die Antwort. Diese Stiftung kannten bisher nur Eingeweihte.

Ob die Veranstaltung öffentlich sei, wusste man bei der Partei zunächst auch noch nicht. Offiziell hat die SPD überhaupt nicht eingeladen zur Vorstellung des Deutschland-Plans. Auch auf dem Papier fehlt das Logo der SPD. Müntefering sprach dann bei der Pressekonferenz von einem Missverständnis. In der Sache sei aber alles prima: Es gehe um „mehr Arbeit“, um „neue Arbeit“. „Das Schlüsselwort heißt Arbeit.“

Wahrscheinlich war das Ganze nur eine kleine Panne. Die „Spin-Doktoren“, die sich ausdenken, wie und wann was im Wahlkampf gesagt werden muss, hatten offenbar die Informationskanäle zu unvorsichtig geflutet. So ist das Ganze ein Lehrstück in Sachen Berliner Politik-Betrieb. Es wird inszeniert und infiltriert, posaunt und geflüstert, da kann schon mal was durcheinandergehen. Gestern morgen um 9 Uhr hatte Steinmeier mit seinem neuen Berater, dem früheren Regierungssprecher Thomas Steg, in einer der oberen Etagen der Parteizentrale einen kleinen Kreis von Journalisten zu einem Hintergrundgespräch eingeladen. Dort wurde der Deutschland-Plan erläutert und auch in Papierform verteilt. Ein Hintergrundgespräch dient dazu, Dinge zu erklären, ohne dass dann wortwörtlich alles in der Zeitung steht. Aber gestern gab es einen Hintergrund zu etwas, was alle schon wussten oder wissen sollten.

Parteichef Müntefering verkauft den Plan seines Wunschkanzlers mit wenig Verve. Möglicherweise ist das auch wieder eine Strategie der Berater. Er soll dem Kandidaten die Show nicht stehlen. Früher konnte Müntefering das, früher konnte er begeistern.

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