1. www.wn.de
  2. >
  3. Archiv
  4. >
  5. Warendorf: Autoklau wie im Fernseh-Krimi

  6. >

Top-Thema Homepage 3

Warendorf: Autoklau wie im Fernseh-Krimi

Christoph Lowinski

Warendorf - Große Krimis haben hier ja in der Regel nicht ihre Bühne: Im Oktober 2009 wurde Warendorf jedoch der Ausgangspunkt für einen erfolgreichen Schlag gegen eine international agierende Autoschieber-Bande.

Vier Männer aus Litauen im Alter von 26, 27, 32 und 38 Jahren hatten in der Nacht zum 21. Oktober das BMW-Autohaus Hakvoort an der B 64 ins Visier genommen. Sie stahlen dort zwei Siebener-BMW und rissen sich zwei Autokennzeichen unter den Nagel, die sie von Vorführwagen abschraubten.

Was die Autodiebe nicht wussten: Sie standen bei ihrem Tun unter Beobachtung. Eine Sonderermittlungsgruppe des Polizeipräsidiums in Oberfranken, die zeitweise 20 Beamte umfasste, hatte seit geraumer Zeit gegen die Bande ermittelt. Die Autodiebe waren im süddeutschen Raum schon länger aktiv. Allein in Bayern hatte das Quartett mehrere Geländewagen erbeutet und auf Nimmerwiedersehen ins Ausland verschoben. Immer wieder gerne genommen: Geländewagen der Sorte BMW X 5.

Den Ermittlern war klar, dass Profis am Werk waren. Leitender Oberstaatsanwalt Gerhard Schmitt in Hof im WN-Gespräch: „Die Banden haben leider mit Unterstützung modernster Elektronik gelernt, die Alarm- und Sicherungssysteme der Luxuskarossen zu überwinden.“ Anschließend ziehen sich die Täter blitzartig samt Beute ins Ausland zurück.

Mittlerweile hatten die Spezialisten der oberfränkischen Polizei herausgefunden, dass die gesuchte Bande aus Litauen kommt. Im Oktober gelang es den Fahndern, die Spur der Bande aufzunehmen. Dabei kamen sie auch hinter die Pläne der Autoklauer.

In Warendorf schlug die Sondereinheit zu: Weil die Polizisten wussten, dass die beiden Edelkarossen nach dem bekannten Strickmuster sofort in Richtung Osten gebracht werden sollten, entschlossen sie sich zur Verfolgung und zum Zugriff, um den Grenzübertritt zu verhindern.

In Waren, der Partnerstadt des Kreises Warendorf an der Müritz, stellten die Polizisten den Litauern eine Falle. Der professionell geplante Einsatz erwies sich als absolut notwendig. Denn die Täter versuchten bei der Festnahmeaktion, die Straßensperren mit den gestohlenen Autos zu durchbrechen. Nach Informationen unserer Zeitung haben sich dabei Szenen wie in einem Fernseh-Krimi abgespielt: Die gestohlenen Wagen wurden von Polizeiautos in die Zange genommen und so zum Stehen gebracht. Zum Glück gab es keine Verletzten. Allerdings wurden die gestohlenen BMW und mehrere Einsatzfahrzeuge erheblich beschädigt.

Die Polizisten wussten, dass sie vorsichtig zu Werke gehen mussten: Im Sommer 2009, so berichtet der Staatsanwalt aus Hof, konnten sich nämlich Beamte der Bundespolizei gerade noch mit Sprüngen zur Seite retten, als die Diebe mit zwei gestohlenen BMW auf dem Weg zur polnischen Grenze aufgehalten werden sollten und durchbrachen.

Beim Zugriff in Waren leisteten die Autoknacker erheblichen Widerstand, wurden dann aber überwältigt.

In den gestohlenen Autos fanden die Fahnder umfangreiches Beweismaterial - zum Beispiel ein ganzes Arsenal elektronischer Bauteile zur Manipulation von BMW-Sicherungssystemen.

Die Autodiebe wurden nach Hof gebracht, wo sie jetzt auf ihren Prozess warten.Insgesamt sollen sie 26 Luxuskarossen gestohlen haben. Bei ihren Raubzügen erbeuteten die Litauer Edelkarossen im Wert von etwa einer Million Euro. Es drohen ihnen mehrjährige Haftstrafen.

Startseite