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Unterwegs im Wald

Warnung an Autofahrer: „Böcke sind jetzt blind vor Liebe“

Ariane Kurz

Havixbeck - „Die Rehe sind in der Blattzeit blind vor Liebe.“ So formuliert es Karl Weckendorf, Leiter des Hegerings Nottuln-Havixbeck. Die Blattzeit hat gerade begonnen und dauert einige Wochen. „Der Name Blattzeit kommt übrigens daher, dass die Jäger früher auf einem Buchenblatt den Ruf der Ricke nachmachten, um den Bock anzulocken“, erklärt der erfahrene Jäger.

In dieser Zeit, erläutert der Experte, sei nicht nur an den bekannten Unfallschwerpunkten erhöhte Gefahr, sondern überall, denn die Straße werde von den Tieren nicht mehr als Gefahrenstelle wahrgenommen. „Sie verlieren ihre natürliche Scheu vor der Straße“, so der Hegeringsleiter. Auch auf Wirtschaftswegen ist mit blind über die Fahrbahnen jagenden Rehen zu rechnen. Die klassischen Wildwechselzeiten früh am Morgen oder spät am Abend haben keine Gültigkeit. „Blattzeit ist den ganzen Tag und die ganze Nacht.“

Allen Autofahrern rät Weckendorf, zurzeit besonders wachsam und vorsichtig zu sein und die Fahrweise der Örtlichkeit anzupassen. Während der Paarungszeit folgten die Rehe einfach anderen Gesetzen. Da jagt in dem einen Fall der stärkere Bock den jüngeren gnadenlos und hat dabei natürlich nur seinen Kontrahenten fest im Blick. „Im Wald ist das ein richtiges Schauspiel. Die Böcke sind in blinder Wut unterwegs und jagen sich dann leider auch über die Straßen hinweg. Dabei entstehen dann die Unfälle“, berichtet der Appelhülsener. In dem anderen Fall jagt der Bock hinter seiner Angebeteten her, Augen natürlich nur für sie (was man ja sogar noch nachvollziehen kann) und beim Überqueren der Straße überhaupt nicht auf eventuell fahrende Autos gerichtet. Im Übrigen, wenn der Rehbock nach rund drei bis vier Tagen seine „Lebensabschnittspartnerin“ wieder verlässt, da die Gute dann nämlich nicht mehr paarungsbereit ist, wendet sich der Galan der nächsten süß duftenden weiblichen Versuchung zu und das Spiel beginnt von vorne.

In Deutschland ereignen sich pro Jahr rund 260 000 Wildunfälle. Dabei sterben fast 30 Menschen, 2600 Verkehrsteilnehmer werden verletzt, zum Teil schwer. Es entsteht ein Sachschaden von 531 Millionen Euro. Dies bestätigt auch Weckendorf: „Es sterben mehr Rehe durch Unfälle, als dass sie von Jägern geschossen werden.“ Diese Zahl nach unten korrigieren können nur die Autofahrer durch umsichtige und vorsichtige Fahrweise. Wildtiere kennen keine Verkehrsregeln.

Sollte es dann trotz aller Umsicht dennoch zu einem Unfall mit Wild gekommen sein, sind folgende Dinge zu beachten: Zunächst die Warnblinkanlage einschalten, dann die Unfallstelle absichern, Erste Hilfe leisten bei eventuell verletzten Personen, Wild an den Straßenrand ziehen, bei verletzt geflüchteten Tieren die Fluchtrichtung merken, eventuell die Absprungstelle markieren für eine Nachsuche mit dem Hund. Und es gilt: Verletzt flüchteten Tieren niemals nachgehen, sondern immer die Polizei verständigen.

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