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Fotovoltaikanlagen

Warum die Solaranlage gefährlich werden kann

Barbara Maas

Münsterland - Feuerwehrleute leben gefährlich. Noch riskanter wird ihre Arbeit ausgerechnet durch die zuverlässigen Saubermänner unter den Energiequellen: Solaranlagen auf Hausdächern. Denn solange Licht auf das Paneel fällt, wird Strom erzeugt - auch wenn es brennt. Einen Knopf zum Ausschalten haben die Fotovoltaikanlagen nicht. „Und der Strom ist dann ja erst mal da“, sagt Oberbrandinspektor Christoph Schöneborn, Landesgeschäftsführer des Verbands der Feuerwehren in NRW.

Der elektrische Strom bringt die Einsatzkräfte in Lebensgefahr: Kommt ein Feuerwehrmann beim Löschen den Modulen einer Fotovoltaikanlage zu nah, leitet der Wasserstrahl aus dem Schlauch den Strom. Eine Gleichspannung von bis zu 1500 Volt ist möglich. „Da kann ein Lichtbogen entstehen“, erläutert Schöneborn. Auch wenn im Keller neben dem Verteiler das Löschwasser steht oder sich im Hof Pfützen gebildet haben, riskieren die Einsatzkräfte, sich durch einen Stromschlag zu verletzen - „im Zweifelsfall tödlich“.

Fünf Meter Mindestabstand muss die Feuerwehr bei Hochspannung einhalten. Tatenlos neben einem brennenden Haus stehen - das will kein Feuerwehrmann. Man habe versucht, die Module mit Löschschaum abzudecken, erklärt Schöneborn. „Das funktioniert aber nicht, der Schaum fließt herunter.“ Ein klebender Schaum könnte das Problem lösen - jedoch wurde er bis heute noch nicht entwickelt. Auch Löschgassen zwischen den Paneelen könnten die Arbeit erleichtern. „Allerdings wird die wirtschaftliche Dachflächenausnutzung dadurch reduziert.“

Hoffnungsvoll blickt der Feuerwehrmann aus Sprockhövel in die USA. Dort würden die Module oft nicht mehr in Reihe geschaltet, sondern einzeln. Der Effekt: „Die Anlagen haben nur noch eine Spannung von 50 Volt - und das ist überhaupt nicht lebensgefährlich.“

Zukunftsmusik? „Das ist nur noch eine Frage der Zeit“, sagt Sascha Gajewski, Produktmanager beim Fotovoltaik-Hersteller Scheuten Solar, der auch in Gelsenkirchen Module produziert. Es gebe Zertifizierungsrichtlinien, Normen, an die sich alle Herstellter halten - und die nun zusammen mit den Berufsgenossenschaften und mit der Feuerwehr überarbeitet werden müssten. „Das kann man nicht im Alleingang machen.“

Die Sache mit dem Knopf zum Ausschalten sei außerdem nicht so einfach, wie sie klingt, sagt der Experte. „Eine Fotovoltaikanlage soll ja 20 bis 25 Jahre wartungsfrei auf dem Dach stehen.“ Mehr Elektronik bedeutet also auch mehr Fehlerquellen.

Etwa 8000 bis 10 000 Solaranlagen des Herstellers glitzern laut Gajewski in Deutschland in der Sonne. In den vergangenen zehn Jahren hat es nach Angaben des nordrhein-westfälischen Innenministeriums schätzungsweise 27 Brände mit Fotovoltaikanlagen gegeben. Die Zahl beruhe jedoch auf keiner verlässlichen statistischen Erhebung, betonte ein Sprecher. Und selbst wenn tatsächlich ein Haus mit Solarpaneel brennt, ist nicht zwangsläufig alles verloren: „Man muss ein Haus mit einer Fotovoltaikanlage nicht grundsätzlich abbrennen lassen“, beruhigt Schöneborn.

Oft könne man den Brand aus dem Erdgeschoss heraus bekämpfen. „Dass beim Eintreffen der Feuerwehr ein Haus komplett in Flammen steht, ist sehr, sehr selten.“ Seit 1987 ist Christoph Schöneborn in der Freiwilligen Feuerwehr, er selbst hat noch keinen Brand mit einer Fotovoltaik-Anlage erlebt. „Aber die Gefahr ist da.“

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