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Lokales

Warum gibt´s keine Bänke in der Guten Stube?

Klaus Baumeister

Münster - Zeitungsleser sind neugierige Menschen. So ist es auch kein Wunder, dass regelmäßig in der Redaktion unserer Zeitung interessante Fragen auflaufen: Wann wird mit dem Kanalausbau begonnen? Wie hoch ist die Lambertikirche? Wer war der erste Oberbürgermeister nach dem Zweiten Weltkrieg?

Jüngst rief eine Leserin an und sorgte mit einer scheinbar banalen Frage für Diskussionsstoff: Warum gibt es auf dem Prinzipalmarkt keine Bänke? Sie selbst, gab die Frau zum Besten, sei nicht mehr die Jüngste, liebe aber Münsters Flaniermeile über alles. „Es wäre doch schön, wenn man sich mal setzen könnte.“

Ja, warum eigentlich nicht? Alle loben die Aufenthaltsqualität der City. Warum also keine Bänke auf dem Prinzipalmarkt? Und überhaupt: Warum diskutieren die Münsteraner über alles Mögliche, von der Bebauung der Stubengasse bis zur Anzahl der Fahrradständer, aber nicht über einfache Sitzbänke?

„Das stimmt nicht so ganz“, rückt der als Experte hinzugezogene Denkmalpfleger Michael Kappel die Diskussion in ein anderes Licht. In den ­80er und 90er Jahren sei sehr intensiv über diese Frage beraten worden. Damals befand sich Münsters wichtigste Bushaltestelle noch auf dem Prinzipalmarkt. „Entsprechend groß waren die Nachfragen nach Sitzgelegenheiten für wartende Busfahrgäste.“

Die Antwort, die seinerzeit gegeben wurde, sei auch heute noch verbindlich: „Keine Chance“, so Kappel. Und dann zählt er die verschiedenen Möglichkeiten auf: „Würden wir die Bänke vor die Säulen stellen, wäre der charakteristische Prinzipalmarkt-Anblick zerstört.“ Es sei auch nicht möglich, die Bänke zwischen den Säulen, also direkt in den Bögen, zu platzieren. „Sie würden einen Riegel bilden und die Bewegungsfreiheit einschränken.“

Bänke unter den Bögen kommen laut Kappel auch nicht in Frage, weil dann die Geschäfte zugestellt und die Bürgersteige zu schmal wären.

Kurz und gut: „Es geht nicht.“ Aber jetzt kennen Zeitungsleser wenigstens den Grund.

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