1. www.wn.de
  2. >
  3. Archiv
  4. >
  5. Was den Mythos „Schwarzes Schaf“ ausmacht

  6. >

Ausgebrannte Diskothek erhitzt die Gemüter

Was den Mythos „Schwarzes Schaf“ ausmacht

wn

Münster - Die einen sind scheinbar froh, dass im „Schwarzen Schaf“ vorerst Ruhe herrscht. Die anderen trauern um die Diskothek am Alten Fischmarkt und legen Blumen und Grablichter ab. Egal, ob positive oder negative Reaktionen: Das Schicksal der am 7. November durch ein Feuer zerstörten Tanzbar erregt die Gemüter in Münster. Endlich Ruhe „Viele Nachbarn und Anwohner freuen sich über die Ruhe, die nun nachts am Alten Fischmarkt herrscht. Auch auf die ekelerregenden Hinterlassenschaften der volltrunkenen Diskobesucher verzichtet man gerne“, schreibt ein Leser unserer Zeitung. „Grablichter für eine ausgebrannte Disco? Vielleicht war die Intention derer, die das ewige Licht niederlegten ja: Möge das Schaf für immer in Frieden ruhen und bloß nicht wieder öffnen“, motzt ein anderer. Warum polarisiert das Schwarze Schaf bloß so? Warum polarisiert das Schwarze Schaf so? „Das Schwarze Schaf ist keine normale Studentenkneipe, sondern eine Diskothek, bei der mehrmals wöchentlich hunderte alkoholisierte Gäste zur Sperrstunde kollektiv auf die Innenstadt losgelassen werden“, schreibt ein User unserer Internetseite. Münsteraner, die in direkter Nachbarschaft des Schwarzen Schafes arbeiten, bestätigten dies bei einer Umfrage unserer Zeitung. „Ich hatte auch schon einen Platten von den Glasscherben auf der Straße“, erzählt Doreen Königsmann. Feuer im Briefkasten Eine Mitarbeiterin vom Bürogebäude gegenüber berichtet von Feuer im Briefkasten. „Die Post ist verbrannt. Jetzt haben wir innen liegende Briefkästen.“ Sie könne nachvollziehen, wenn Mieter und Anwohner es begrüßen würden, das Schwarze Schaf still zu legen. Sie persönlich sei anderer Meinung. Schließlich hätten sich die Scherereien im Rahmen des Erträglichen bewegt und „der Inhaber war immer sehr bemüht“. Müll und Erbrochenes Doreen Königsmann war vor einigen Jahren sogar Stammgast. „Es ist schön, weil es zentral ist mit Bussen und Taxen direkt vor der Tür.“ Heute allerdings störe sie sich an dem Müll und dem Erbrochenen, das manche Party-Gänger hinterließen, wenn sie donnerstags morgens zur Arbeit am Alten Fischmarkt fahre. Brigitte Mees-Gorschlüter berichtete dagegen von ihren Kindern, die ihre Lieblingskneipe verloren hätten. „Meine 22-jährige Tochter weiß im Moment nicht, wohin sie gehen soll.“ So auch der 22-jährige Lucas Jacobs aus Nottuln. „Ich kenne keine andere Kneipe, die so für Münster steht. Es wäre echt schade, wenn es nicht nochmal aufmachen würde“, so der angehende Bankkaufmann. Ein regelmäßiger Gast der Disco, der namentlich nicht genannt werden möchte, beschreibt das Schwarze Schaf so: „Man kann da wild feiern, im positiven Sinne. Die Leute tanzen auf den Tischen, das musikalische Spektrum ist breit, das Thekenpersonal ist schnell und es ist immer voll.“ Immer voll, immer Party, immer da gewesen - seit 2004 Ein volles Haus – das ist auch das Konzept von Betreiber Christoph Hartig. „Das besondere ist die gestaffelte Gastronomie, die immer den Eindruck verleiht, dass es brechend voll ist.“ Hinzu komme die vorteilhafte Lage in der Altstadt. In dem historischen Gebäude „verkaufen wir die Illusion, dass Generationen von Studenten hier eine gute Zeit gehabt haben“, so der 43-Jährige. Tatsächlich existiert das Schwarze Schaf an der Stelle erst seit 2004. Dafür gibt es dem Gastronom zufolge deutlichen Bedarf. Eine Bildungshochburg wie Münster ziehe eben viele Auszubildende und Studierende an und „die wollen alle feiern“. So wie es war, wird es das Schaf nie wieder geben. Wann das im Schwarzen Schaf wieder möglich sein wird, ist ungewiss. Hartig plant, die zerstörten Räumlichkeiten wieder zu einer Großraumkneipe mit dem alten Charme des Schwarzen Schafes auszubauen. Doch „so wie es war, wird es das Schaf nie wieder geben.“

Startseite