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Weiterhin Verspätungen und Ausfall von ICE-Zügen

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Frankfurt/Main – Bahnreisende mussten sich auch am Montag auf Verspätungen und den Ausfall von ICE-Zügen einstellen. Betroffen waren laut Bahn in Hessen die Linien Wiesbaden-FrankfurtLeipzig sowie Mainz-Frankfurt-Nürnberg. Es sollten Ersatzzüge eingesetzt werden. Wegen Zweifeln an der Sicherheit der Achsen hatte die Bahn kurzfristig fast alle ihrer 67 Hochgeschwindigkeitszüge vom Typ ICE T mit Neigetechnik aus dem Verkehr gezogen. Daher war bereits am Wochenende der Bahnverkehr eingeschränkt worden.

Die kurzfristige Überprüfung von rund 70 ICE hat am Wochenende zu Zugausfällen und teils überfüllten Bahnabteilen geführt, das befürchtete Chaos ist aber ausgeblieben. Größere Probleme gab es nach Angaben der Deutschen Bahn lediglich zwischen Berlin, Leipzig und München, wo es zu Verspätungen von bis zu 30 Minuten kam. Vor allem dort wurden am Sonntag weitere Ersatzzüge auf die Strecke geschickt, um den Andrang beim Wochenend-Rückreiseverkehr abzufedern. „Unser Ersatz-Fahrplan konnte das Fahrgastaufkommen weitgehend aufnehmen“, sagte der für den Personenverkehr zuständige Bahnsprecher Jürgen Kornmann am Abend der Deutschen Presse-Agentur dpa. „Der Zugverkehr ist solide gelaufen. Niemand unserer Fahrgäste musste zurückbleiben, alle sind an ihrem Ziel angekommen.“

Auf den Bahnhöfen, wo zusätzliches Service-Personal eingesetzt wurde, lief der Betrieb Augenzeugenberichten zufolge größtenteils normal. Auch am Berliner Hauptbahnhof herrschte normaler und entspannter Zugverkehr, wie Kunden berichteten. Die Züge auf den betroffenen Strecken waren nicht überfüllt. An den Auskunftsschaltern standen keine langen Schlangen.

Wegen Zweifeln an der Sicherheit der Achsen hatte die Bahn fast alle ihrer 67 Hochgeschwindigkeitszüge vom Typ ICE T mit Neigetechnik aus dem Verkehr gezogen. Deshalb wurden auf einigen Strecken mehrere Verbindungen komplett gestrichen oder mit Ersatzzügen bedient, was wegen deren geringerer Geschwindigkeit zu Verspätungen führte. Zudem klagten Fahrgäste, weil viele Züge kürzer als gewohnt und deshalb überfüllt waren. In den kommenden Tagen soll sich die Lage aber nach und nach normalisieren. Der laufende Ersatzverkehr wird nach Angaben der Bahn „in den nächsten Tagen durch zusätzlich einsetzbare Fahrzeuge weiter verstärkt“.

Bei einer Routineuntersuchung war kürzlich ein millimetertiefer Riss in der Achse eines ICE T gefunden worden. Ein Materialfehler könnte auch zum Entgleisen eines ICE am 9. Juli in Köln geführt haben. Das Ergebnis der Materialprüfung steht allerdings noch aus. Dass jetzt kurzfristig fast alle Züge der ICE-T-Flotte aus dem Verkehr gezogen wurden, begründet die Bahn mit fehlenden Sicherheitsgarantien der Herstellerfirmen Siemens, Alstom und Bombardier.

Sollte sich der Verdacht eines Produktionsfehlers bestätigen, drohen den Unternehmen seitens der Bahn Regressforderungen in Millionenhöhe. „Wir werden Schadenersatzforderungen gegen die Industrie prüfen“, sagte Bahnchef Hartmut Mehdorn der „Bild am Sonntag“. Sicherheit sei das höchste Gut des Unternehmens. „In diesem Punkt sind wir völlig kompromisslos.“

Bahnreisende in verkürzten Zügen beklagten sich über Gedränge und Gepäckstapel in den Gängen. Andere Fahrgäste berichteten aber trotz der Ausfälle von relativ schwach ausgelasteten Zügen. Auch die Schlangen vor den Auskunftsschaltern waren an vielen Bahnhöfen überschaubar.

Die meisten Kunden äußerten ebenso Verständnis für die Maßnahme wie der Fahrgastverband Pro Bahn. „Im Interesse der Sicherheit muss alles getan werden“, sagte Pro-Bahn-Chef Karl-Peter Naumann der dpa. „Lieber nachschauen als mit Risiko auf die Strecke zu gehen.“ In der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung“ (Samstag) forderte er allerdings, künftig müssten für solche Fälle mehr Reservezüge bereitgehalten werden.

Auch in den kommenden Tagen muss noch mit Einschränkungen gerechnet werden. Betroffen sind weiterhin die Linien Hamburg-BerlinMünchen, Dortmund-Frankfurt/Main-Wien, Wiesbaden-Frankfurt/MainLeipzig-Dresden und die Verbindungen zwischen Stuttgart und Zürich. Nähere Informationen gibt es im Internet (www.bahn.de/aktuell) und bei der kostenlosen Service-Hotline 08000 996633. Für die betroffenen Fahrgäste soll es zudem großzügige Kulanzregelungen geben.

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