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Ahlener SG

Wenn die Kraft nicht reicht

Niklas Groß

Ahlen - Wenige Minuten waren zwischen der Ahlener SG und Eintracht Hildesheim gespielt, da platzte einer Wasserflasche auf der Hildesheimer Bank der Kragen - Zeit anhalten, das Spielfeld wieder trockenlegen, die Scherben von der Platte fegen und dann war sie auch schon passé, die längste Unterbrechung dieser Begegnung. Die nämlich war ansonsten nahezu frei von jenen Außergewöhnlichkeiten, die im Handball im Grunde an der Tagesordnung stehen und den Zeitnehmer auf Trab halten: rüde Fouls, gerissene Nerven und eben geplatzte Kragen. Machte mit der Schlusssirene einen 30:28-Auswärtserfolg für die Eintracht aus Hildesheim - insbesondere aber lediglich vier Zeitstrafen während der gesamten Partie, davon keine einzige auf Seiten der Gastgeber.

Nicht, dass die Kontrahenten es an Einsatz mangeln ließen an diesem Samstagabend in der Friedrich-Ebert-Halle. Nein, die ASG hatte vielmehr personell derart geschwächt antreten müssen, dass die Kraftreserven just kaum mehr reichten für Wutausbrüche und dergleichen. Im Abschlusstraining hatte sich zu allem Überfluss auch noch „Shooter“ Malte Schröder eine Bänderverletzung zugezogen, Außen Mattes Rogowski konnte aufgrund einer starken Erkältung nur wenige Minuten mitmischen. Und so bestritten - vom gelegentlichen Mitwirken des ebenfalls noch lädierten Björn Wiegers abgesehen - sechs Ahlener Feldspieler 60 Minuten Bundesliga-Handball ohne Wechselmöglichkeit. Fast schon zwangsläufig knickten die Hallenherren mit Beginn der Schlussviertelstunde einfach ein, kamen in dieser nur noch zu vier Toren und gaben die bis dahin ausgeglichen gestaltete Begegnung aus der Hand.

In Hälfte eins war es beiden Teams nur höchst selten gelungen, zwei Treffer in Serie zu erzielen, geschweige denn, sich entscheidend vom Kontrahenten abzusetzen. Auf Hildesheimer Seite hob Matthias Struck ein ums andere Mal nahezu unbehelligt ab und ließ Jan Peveling im Ahlener Gehäuse keine Abwehrchance. Gegenüber Dennis Klockmann war zumeist machtlos, wenn es die Ahlener SG über den Kreis versuchte. Wie ein Uhrwerk fiel auf diese Weise Treffer um Treffer, erstmals in Minute 23 erwarfen sich die Hallenherren durch Merten Krings so etwas wie ein Tore-Polster (10:8).

Krings war es auch, der in der Folge die schweißtreibende Arbeit vor der Abwehr mit Bravour erledigte, als er dem Hildesheimer Struck auf die Pelle rückte. Nicht unverdient war daher letztlich die knappe Pausenführung für die Hallenherren (15:13).

Die aber sollte sich nicht wirklich bemerkbar machen in den folgenden 30 Minuten, schnell waren die Gäste wieder gleichauf und hatten außerdem das wirkungsvollere Rezept für den zweiten Durchgang parat: „Als wir Björn Wiegers aus dem Spiel genommen haben, sah es zunehmend besser für uns aus“, so Matthias Struck im Anschluss an die Begegnung. „Das Spiel der ASG stand und fiel mit Wiegers.“

Dabei schien die Pfänder-Sieben lange auf einem guten Weg, beim Stand von 24:22 trat Rasmus Gersch an die Siebenmeter-Marke, scheiterte jedoch ausgerechnet in dieser spielentscheidenden Phase erstmalig vom Punkt. Gleich darauf blieben zudem zwei Gegenstöße ungenutzt, Hildesheim witterte jetzt nicht nur seine Chance, sondern zog auch binnen weniger Minuten entscheidend auf 29:25 davon.

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