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Ahlener SG

Wer bin ich und wenn ja, wie viele?

Cedric Gebhardt

Ahlen/Hamm - Es braucht schon eine scharfe Machete, um sich durch das Dickicht der HSG Ahlen-Hamm zu wühlen. Der Handball-Bundesligist ist gerade dabei, sich neu zu sortieren. „Wir müssen eine Vision schaffen, wie wir uns künftig aufstellen“, fordert Trainer-Manager Kay Rothenpieler.

Wir können nicht davon sprechen, dass wir in den nächsten zwei Jahren Deutscher Meister werden. Wir werden nie der Verein sein, der hauptsächlich fertige Spieler kauft“, betont Rothenpieler.

Rund ein Jahr nach der Fusion, die keine wirkliche ist, aber immer wieder so bezeichnet wird, ist die Handballspielgemeinschaft Ahlen-Hamm darum bemüht, sich eine Identität zu geben. In Zukunft soll das Gesicht der HSG mehr Konturen annehmen. Das mit der heißen Nadel gestrickte Konglomerat soll endlich tiefer verwurzelt werden. Leichter gesagt, als getan. Denn schnell sieht man den (Ur)wald vor lauter Bäumen nicht. Hier kommt die Machete ins Spiel...

Schnitt eins: Bundesligateam und Nachwuchsbereich, sprich Youngsters und Jugend, sollen zur neuen Saison wirtschaftlich getrennt werden. Bislang wurden sowohl die Bundesligaspieler als auch das Personal der Youngsters aus einem Topf bezahlt - dem der ASV Handball Marketing GmbH. Die Kosten für die Jugendteams übernimmt bisher die HSG als Verein.

Schnitt zwei: Künftig läuft nur noch die Bundesliga-Mannschaft über die ASV Marketing GmbH. Youngsters und Jugend der HSG werden dann von einer weiteren GmbH bezahlt, die noch gegründet werden muss. Im Gespräch ist eine Handball-Leistungszentrum (HLZ) GmbH.

Schnitt drei: Die ASG Marketing GmbH wird liquidiert, sobald die Verbindlichkeiten in Höhe von 50000 Euro mit den Gläubigern beglichen sind. Sie ist ohnehin nur noch ein Papiertiger.

Hier stellt sich die Frage: Wer bin ich und wenn ja, wie viele? Der Dschungel ist unübersichtlich.

„Wir brauchen ein Jahr, um uns zu konsolidieren“, prognostiziert Kay Rothenpieler. In dieser Zeit soll die Grundlage geschaffen werden, um sich mittel- und langfristig als Ausbildungsverein zu etablieren. „Das Handball-Leistungszentrum ist dabei ein wichtiger Baustein für die Region“, unterstreicht Rothenpieler. Sportlich firmieren Profis sowie Youngsters und Jugendteams demnach weiterhin als HSG Ahlen-Hamm. Wirtschaftlich sind sie jedoch voneinander abgekoppelt.

In der Vergangenheit hatte die Ahlener Seite erhebliche Probleme, die zugesagten Sponsorengelder aufzutreiben. Das Ausbleiben der Gelder in mittlerer sechsstelliger Höhe führte unter anderem zur finanziellen Schieflage der HSG. „Als wir an den Start gegangen sind, war es eine Kooperation auf Augenhöhe. Das ist nun nicht mehr so“, konstatiert Rothenpieler kritisch Richtung ASG.

Daher die Machete.

Auch Ronald Zent, Abteilungsleiter Youngsters, weiß nicht, ob es wirtschaftlich „noch ein Miteinander gibt - vieles ist in der Schwebe“. Der Urwald, durch den sich die HSG-Verantwortlichen in den nächsten Wochen kämpfen müssen, ist dicht bewachsen und dadurch unübersichtlich. Es wird einige Zeit brauchen, bis sich die Macher einen Weg gebahnt haben.

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