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"Wer früher stirbt ist länger tot"

Hans Gerhold

Der mit Abstand größte Überraschungserfolg des vergangenen Kinojahres, denn Markus H. Rosenmüllers Spielfilmdebüt kann seit seinem Start im August über 1,3 Millionen Zuschauer verzeichnen – davon über 90 Prozent in Bayern, ein deutliches Nord-Süd-Gefälle und Beleg dafür, dass sich Risiken auszahlen können und manche Themen ihr Zielpublikum finden.

Worum geht‘s? Der elfjährige Sebastian, ein aufgeweckter Junge, der mit dem Ghettoblaster auf dem Fahrrad durchs heimische Dorf rast, erfährt, dass die Mutter bei der Geburt gestorben ist, fühlt sich schuldig, hat den Wunsch, sich vor dem Fegefeuer zu retten. Der Stammtisch steht ihm bei, dem Papa ein neues Eheweib zu suchen, von hoch droben auf dem Berg gibt ein radiomoderierender Späthippie (wunderbar: Jürgen Tonkel) Lebenshilfe und verliert dabei seine Frau Veronika, eine g‘standene Lehrerin.

Der derbe Humor, der Hintersinn und die Hemdärmeligkeiten des Films, der frech Dalí-Surrealismus mit Volkstheater kreuzt, sprechen für sich. Für Preußen ein guter Nachhilfeunterricht in Sachen Bayern zwischen Himmel, Hölle und Problem-Bären.

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