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Wer will Charisteas?

Frank Kranewitter

Nürnberg - In der vergangenen Saison verscheuchte der 1. FC Nürnberg erst in der Relegation das Abstiegsgespenst. Aktuell sieht sich der „Club“ besser aufgestellt. Und zwar so gut, dass er die „Nachspiele“ sicher umschiffen sollte. Was war und wie wird die neue Saison? Ein Überblick:

» Der unvergesslichste Moment der vergangenen Saison: Eine Saison zum Vergessen! Am Ende zählte nur noch das Ergebnis: Hauptsache drin geblieben! Dabei hatte auch diese Spielzeit ein paar wenige Höhepunkte: Ausgerechnet der Club brachte den bis dahin überragenden Leverkusenern beim 3:2 am 25. Spieltag die erste Niederlage bei.

» Der Satz der Saison: „Das hätten wir uns ersparen können“, sagte Trainer Dieter Hecking nach der Relegation. Wohl wahr! Der FCN brachte sich durch vier Niederlagen in den letzten fünf Saisonspielen noch einmal selbst in Not.

» So steht es um den Trainer: Thomas von Heesen galt bei den Club-Fans schnell als schnöselig, Michael Oenning war ihnen zu intellektuell. Da ist Dieter Hecking schon deutlich beliebter. Bei der Vereinsführung ist er unumstritten. Die FCN-Bosse wollten Hecking selbst im Falle des Abstiegs gerne behalten.

» Ihn würden die Fans gerne noch fortjagen: Nur die Fans? Auch Trainer, Sportdirektor und Präsidium würden Angelos Charisteas lieber heute als morgen verabschieden. Der griechische EM-Held von 2004, mit 1,8 Millionen Jahresgage Top-Verdiener im Verein, hat noch ein Jahr Vertrag, muss aber mittlerweile beim Regionalliga-Team trainieren. Warum Nürnbergs bislang teuerster Einkauf (2,5 Millionen) in drei Jahren in Franken nie so recht Fuß fasste, bleibt ein Rätsel.

» Des Trainers Liebling: Um Per Nilsson haben sich Dieter Hecking und der Club schon im vergangenen Winter bemüht, nun wechselt Hoffenheims schwedischer Kapitän ins Frankenland und soll dort nicht nur die Abwehr verstärken, sondern auch die eingefahrene Hierarchie mit den alteingesessenen Führungsspielern Raphael Schäfer, Andreas Wolf, Javier Pinola und Marek Mintal ein wenig durcheinander wirbeln. Auch Hecking weiß: Proteste aus der Mannschaft kosteten nicht zuletzt sowohl von Heesen als auch Oenning den Job.

» Der Kultkicker über seine Erben: Dieter Eckstein, Nürnbergs Publikumsliebling der achtziger und frühen neunziger Jahre, hat in der vergangenen Saison „in wichtigen Spielen das kämpferische Element gefehlt. Aber in der Relegation wussten dann zum Glück alle, worum es geht.“ Den bei Misserfolg schnell laut werdenden Kritikern von Sportdirektor Martin Bader mag Eckstein nicht folgen: „Bader macht seine Sache sehr gut.“

» Der skurrilste Fan-Artikel: Einmal im Stadion erspäht und nicht im Fanshop erhältlich: Der Fanschal mit dem Aufdruck „Rekordabsteiger - Der Club is a Depp!“. So viel Selbstironie ist auch unter leidgeprüften Cluberern eher unüblich.

» So wollen sie spielen: Auf jeden Fall erfolgreicher als in der vergangenen Saison. Mit den Neuzugängen scheint die Defensive tatsächlich verstärkt, vorne hofft Hecking auf eine weitere Leistungssteigerung bei den Nachwuchskräften Mike Frantz und Ilkay Gündogan, den x-ten Frühling von Tor-Phantom Marek Mintal und die Treffsicherheit von Albert Bunjaku. Taktisch sind viele Varianten möglich.

» Was muss? Was kann? Der Klassenerhalt ist Pflicht.

» Der Einlauftipp: Es scheint als hätten alle ihre Lektion aus der letzten Zittersaison gelernt. Der Club dürfte für den Kampf gegen den Abstieg gut aufgestellt sein. Platz 13 bis 15 ist ein guter Tipp. Beim Rekordabsteiger sollte man sich da aber traditionell nicht zu sicher sein.

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