1. www.wn.de
  2. >
  3. Archiv
  4. >
  5. Westfalen Bahn fällt zwischen Rheine und Münster weiter aus

  6. >

GDL-Lokführerstreik

Westfalen Bahn fällt zwischen Rheine und Münster weiter aus

wn

Rheine. Tag zwei im Lokführerstreik: Wie bereits am Donnerstag meldet die Westfalen Bahn auf der Strecke Rheine-Münster einen Komplettausfall. Die Fahrgäste weichen indes wie bereits am Vortag auf das Angebot der Deutschen Bahn (DB) aus, die diesen Streckenabschnitt ebenfalls bedient. Pendler und Reisende auf diesem Abschnitt haben sich offensichtlich auf den Streik eingestellt. Trotz der Verärgerung über die streikbedingte Angebotslücke im Zugverkehr reagieren etliche Reisende mit Verständnis auf die streikenden Lokführer. Auf anderen Bahnabschnitten in der Region müssen die Fahrgäste der Westfalen Bahn mit zum Teil erheblichen Einschränkungen rechnen, weil nicht alle Züge aus dem Fahrplan fahren. Die Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) hatte die organisierten Lokomotivführer der privaten Schienen-Personen-NahVerkehrs-Unternehmen (SPNV) zu einem 48-stündigen Arbeitskampf aufgerufen, der am Samstagmorgen um 2 Uhr enden soll. Unterdessen warben am Freitagvormittag rund 20 in der GDL organisierte Lokführer bei einer Kundgebung vor dem Haupteingang des Bahnhofs Rheine bei den Reisenden für ihre Interessen. „Wenn wir erzählen, warum wir hier stehen, stoßen unsere Argumente bei den Bahn-Reisenden überwiegend auf Verständnis“, sagt Frank Bems, Vorstandsmitglied der GDL-Ortsgruppe Osnabrück. „Hohe Flexibilität mitbringen, wenig Geld verdienen“ - so bringt es Lokführer Thorsten K. (40) in Gesprächen mit Fahrgästen auf den Punkt. Wechseldienst ist die Regel, mehrere Nacht- und Wochenenddienste muss der verheiratete Vater von zwei Kindern schieben, wenn er ein Monatsnettoeinkommen von etwa 2000 Euro erzielen will. Da werden die Kollegen bei der DB schon etwas besser bezahlt. „Beim Grundeinkommen zwischen einem Lokführer der Westfalen Bahn und einem DB-Lokführer gibt es Unterschiede bis um einige hundert Euro “, erläuterte Bems. „Im europäischen Vergleich liegen die Einkommen der deutschen Lokführer aber ganz unten.“ Der Wettbewerb im Bahnverkehr dürfe nicht über die Lohnkosten auf dem Rücken der Lokomotivführer ausgetragen werden. „Die Lokomotivführer wollen für ihre verantwortungsvolle Arbeit im Schicht- und Wechseldienst entsprechend entlohnt werden – und zwar dauerhaft“, sagt GDL-Gewerkschafter Bems. Die Verkehre werden alle zehn Jahre neu ausgeschrieben. „Da steht jedes Mal der Arbeitsplatz des Lokomotivführers auf der Kippe“, weiß der Gewerkschafter. Die Ausschreibung gewinne oft der preisgünstigste Anbieter. Wie das funktioniert, beschreibt Bems am Beispiel der Nordwest-Bahn, die die Regio-S-Bahn in Bremen im Dezember 2010 übernommen hat. „Da sind die Bestands-Lokführer der DB nicht übernommen worden“, sagt Bems. Stattdessen habe die Nordwest-Bahn neue Kräfte eingestellt. „Den Kollegen gönne ich ja den Job. Aber die wurden über Förderprogramme des Arbeitsamtes mitfianziert“, beklagt sich der GDL-Vertreter. Sein Vorwurf: „So werden keine neuen Arbeitsplätze geschaffen sondern nur die Lohnkosten durch den Steuerzahler mitfinanziert.“ Seine Forderung: Die Lokomotivführer müssen künftig alle nach den Rahmentarifverträgen und den damit verknüpften Haustarifverträgen der GDL bezahlt werden. Dabei ist der Betreiberwechsel so zu tarifieren, dass ein geordneter Übergang der Lokomotivführer von einem zum anderen Unternehmen erfolgen könne.

Startseite
ANZEIGE