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Westfälische Bauern hoffen: Milchpreise kommen wieder aus dem Keller

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Münster - Nach den Molkereien sehen auch die Bauern erste Anzeichen für steigende Milchpreise. „Ich bin sicher, dass wir am Ende des Jahres eine leichte Entspannung haben“ sagte dazu der Präsident des Westfälisch-Lippischen Landwirtschaftsverbandes, Franz- Josef Möllers, am Donnerstag in Münster. „Dies wird aber noch keine Entlastung bringen.“ Der Erzeugerpreis für Milch sei mit 23 Cent im Keller, 2008 seien es noch 34 Cent gewesen. „Die Nachfrage nimmt zu.“

Für anziehende Preise spreche auch, dass Bauern zuletzt für einige Milchprodukte höhere Abschlüsse erreicht hätten. Allerdings habe das „historische Preistief“ viele Milchbauern an den Rand der Liquidität gebracht. „Die Lage ist für viele Betriebe äußerst ernst“, sagte Möllers, zugleich Vizepräsident des Deutschen Bauernverbands.

Für das Erntejahr 2009 in Westfalen-Lippe zog Möllers eine durchwachsene Bilanz: „Die Erträge sind gut, die Qualität ist gut, aber die Preise sind deprimierend.“ Die Region sei mit Ausnahme der Trockenheit im April und im Mai von Wetterkapriolen verschont geblieben. Dennoch sei die Ernte wegen niedriger Erlöse und hoher Produktionskosten etwa bei Düngemitteln nicht kostendeckend. „Die Stimmung kann nicht weiter absinken. Wir hoffen auf bessere Zeiten.“ Die voraussichtliche Getreide-Ernte liegt etwa 2,3 Prozent über dem Vorjahr und gut 10 Prozent über dem Mittelwert von 2004 bis 2008.

Von den Konjunkturprogrammen der Bundesregierung hätten die Bauern kaum profitiert, sagte Möllers. Er forderte für die Zeit nach der Bundestagswahl ein „100-Tage-Programm“, um die Landwirtschaft zu entlasten. Es geht etwa um Vorruhestandsregelungen für Milchbauern. Auch müsse die Politik der Tatsache Rechnung tragen, dass bei Milch, Schweinezucht und Ackerbau die Einkommensschwankungen immer heftiger würden. Daher solle es nach dem Vorbild der Forst- und Waldwirtschaft steuerliche Risiko-Rücklagen geben, hieß es. Dies könne verhindern, dass Steuerzahlungen in schwachen Jahren einen Hof überforderten.

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