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07/11a

Wettpate und Jungbulle

wn

Es ist wie immer. Sportwetten reizen mich, allerdings nicht diejenigen, in denen es um Geld geht. Nein, vornehmlich geht es um die Ehre. Das Problem dabei ist, sagt Monika, dass ich mir einfach zu viel zutraue. Sie hält mich für einen wahnwitzigen Wettpaten. Wenn ich mich nun am 31. Juli nun an den Start des Sparda Münster City Triathlon begebe, dann geht das natürlich nicht ohne einen ganz privaten Zusatzwettkampf. Als ob 500 Meter Schwimmen nicht genug Herausfoderung wäre für einen Mann in meinem Alter, lege ich mich dieses Mal wieder mit einem Jungbullen an. Für mich sind alle unter 30 Jahren Jungbullen, ihnen fällt Ausdauersport in der Regel leicht. Linus ist auch so ein in Münster gezogener Jungbulle, seine genetische Veranlagung beschert ihm einen Körperfettgehalt von vermutlich unter 10 Prozent, abwohl er regelmäßig Döner-Buden und Fast-Food-Kaschemmen einen Besuch abstattet, er isst ohne Unterbrechung und ist dennoch ein richtiger Spargel. Er arbeitet dabei für eine wahre Perle der Sportindustrie, aber Werbung ist hier nicht gestattet. Mein Einsatz steht: Ist er schneller im Ziel, gibts einen Teekuchen aus dem Hause Heflik. Wenn nicht, soll er sich was einfallen lassen, er hat genug in seiner Asservatenkammer herumliegen. Zudem muss ich einen Buttermilchkuchen backen, wenn ich seine Vorjahreszeit auf der Volksdistanz nicht ünterbiete. Da wurde er, der stets seine Kniebeschwerden für dürftiges Lauftraining als Entschuldigung benutzt, auf Platz 221 von 376 Finishern mit 1:19,34 Stunden notiert. Lächerlich. Er meint, weil er auf dem Moutainbike den Black-Forest-Marathon bewältigt hat, sei er bestens präpariert. Wer kommt auf die Idee eine Pättkestour durch den Schwarzwald als Black-Forest-Marathon zu glorifizieren? Mein Plan ist folgender: Beim Schwimmen will ich nicht mehr als drei Minuten verlieren, die fahre ich mit einer tiefen 37-Minuten-Zeit fast wieder auf, und dann spürt er meinen Atem und mein Blick im Nacken, das wird weh tun, sei bereit für Schmerzen der vierten Dimension. Halloween im Juli. Diesen Blick habe ich im Übrigen von Monika gelernt. Sie schaut mich nachts im Schlaf solange an, wenn ich angeblich schnarche, bis ich mich von selbst vom Rücken auf die Seite drehe, weibliche Telepathie halt. Triathlon ist kein Dreikampf, dank der Wechselei zwischen den Sportarten und des ganzen Psychoterrors sind wird schon bei fünf Disziplinen. Und ich werde diese mentale Waffe einsetzen am 31. Juli, dann radel ich zur Büffeljagd run um die Osmo-Hallen...

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