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Country Strong

Whiskey und Tabletten

Gwyneth Paltrow erstmals singend? Stimmt nicht. In „Traumpaare“ reüssierte sie anno 2000 als Karaoke-Queen. Also endlich eine Countrysängerinnen-Biografie, nach all den „männlichen“ Vorgängern? Stimmt nicht. Man denke nur an „Nashville Lady“ über Loretta Lynn. Sissy Spacek bekam dafür den Oscar. Somit kann „Country Strong“ noch nicht einmal mit Novitäten für sich werben...

Gian-Philip Andreas

Gwyneth Paltrow erstmals singend? Stimmt nicht. In „Traumpaare“ reüssierte sie anno 2000 als Karaoke-Queen. Also endlich eine Countrysängerinnen-Biografie, nach all den „männlichen“ Vorgängern? Stimmt nicht. Man denke nur an „Nashville Lady“ über Loretta Lynn. Sissy Spacek bekam dafür den Oscar. Somit kann „Country Strong“ noch nicht einmal mit Novitäten für sich werben. Mit dem Rest erst recht nicht. Da spult sich nämlich exakt jene Handlungsvorlage ab, die aus den Vorgängern von „Walk the Line“ bis „Crazy Heart“ allzu bekannt ist: die Mär vom süchtigen Künstler, der Kunst und Triumph nur aus dem eigenen Absturz zieht. Regisseurin Shana Feste versucht gar nicht erst, die Klischees zu vermeiden. Sängerin Kelly Canter spült Tabletten mit Whiskey runter und fällt ebenso besoffen wie schwanger von der Bühne: PR-Desaster! Ihr Gatte und Manager James schickt Kelly direkt von der Reha wieder auf Tour. Hinzu kommt Beau (Garrett Hedlund aus „Tron: Legacy“), ein junger Sänger, in den sie sich verliebt. Der Film tut so, als sei er eine Art Townes van Zandt, was Quatsch ist. Vierte im Bunde ist Chiles („Gossip Girl“ Leighton Meester), ein Nachwuchstalent, das sich in Beau verliebt. Und James? Verliebt sich in Chiles. Gemeinsam gehen sie auf Tour, und der Film läuft pflichtschuldig den Parcours aus Eifersucht und Rückfall ab, bis er in einem Comeback-Auftritt kulminiert, den man ähnlich aufgedonnert auf der Inaugurationsfeier von Sarah Palin erwarten könnte. Die Paltrow immerhin spielt und singt in ihrer ersten nennenswerten Hauptrolle seit Ewigkeiten nach Kräften die Versehrte. Allerdings können verwaschenes Make-Up und behauptete zwei Promille nicht kaschieren, dass ein abgewracktes Showbiz-Opfer niemals so makellos aussähe wie sie.

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