1. www.wn.de
  2. >
  3. Archiv
  4. >
  5. Wichtiger Wirtschaftszweig des Landes: Nähen ist reine Männersache

  6. >

Politik Ausland

Wichtiger Wirtschaftszweig des Landes: Nähen ist reine Männersache

Axel Roll

Karachi - Manchmal wehen in den staubigen Indus­triegebieten bunte Stoffbahnen auf den Dächern im Wind. Handtücher oder Bettwäsche, die nach dem Färben in der Sonne trocknet. In anderen Fabriken rotieren die Textilien in top-modernen Trocknern von der Größe eines Kleinlasters. Die Unterschiede in den Produktionsmethoden in einem der wichtigsten Wirtschaftszweige des Landes könnten krasser nicht sein.

Modernster westlicher Standard neben Webstühlen, die vor 40 Jahren schon als überholt galten. Und in den kleineren Betrieben gibt es sie immer noch - die Kinderarbeit. Die meisten internationalen Kunden bestehen allerdings mittlerweile auf Einhaltung hoher Standards. Dazu zählt der Verzicht auf die Beschäftigung Minderjähriger genauso wie die Verwendung umweltschonender Chemikalien.

So unterschiedlich die Produktionsmethoden auch sind, so gibt es doch nur einen Grund, warum die Nähmaschinen fast ausschließlich für Kunden aus Europa und Amerika surren: Die Kosten für Personal sind in Pakistan immer noch konkurrenzlos niedrig. 80 bis 100 Euro im Monat, mehr verdient ein guter Näher immer noch nicht. Das Nähen ist übrigens meistens reine Männersache. Die Frauen machen die einfachsten Arbeiten, sortieren zum Beispiel bei der angelieferten Baumwolle die Holz- und Blätterreste aus.

Tchibo, Kik, Lidl, Aldi und sogar Ikea - die ganz großen Discounter und Anbieter von Heimtextilien sind in Pakistan bestens bekannt. So unterhält der Hersteller Al Karam in seiner 3000-Arbeiter-Fabrik am Rande von Karachi ein eigenes von der übrigen Produktion abgetrenntes „Ikea Warehouse“, wo einzig und allein für den schwedischen Großkunden genäht wird. „Qualität steht natürlich an erster Stelle“ erzählt Moin Uddin, Marketingbeauftragter des Unternehmens. Und das unter Einhaltung der in Europa gültigen Produktionsstandards.

Es gibt mittlerweile vereinzelt Firmen, die bei ihren Modernisierungsbemühungen nicht beim Maschinenpark halt machen. Wie International Textile. Das Unternehmen in Privatbesitz bietet den Arbeitern Kurse für das Lesen und Schreiben an, veranstaltet Gesundheitstage und bietet Freizeitaktivitäten an. Auch die Bezahlung liegt über dem üblichen Durchschnitt. Deputy-Manager Adeel Khatri nennt die Gründe: „Wir wollen die Kollegen motivieren. Große Unternehmen respektieren ihre Mitarbeiter.“ Für pakistanische Verhältnisse ein Satz von unglaublicher Weitsicht.

Startseite