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Streetbranding

Wie sauber darf Beton sein? - Neue Werbeform an 200 Stellen in Münster

Karin Höller

Münster - Die Vielfalt von Werbung kennt keine Grenzen. Jedenfalls staunten Passanten nicht schlecht beim Blick auf die neue Marktkauf-Brücke, pardon Torminbrücke, über dem Aasee. Weiß auf grauem Grund prangen Logo und Werbebotschaft des Ratio-Nachfolgers auf den Betonelementen.

Nicht nur hier, sondern an rund 200 Stellen in der Stadt. Streetbranding heißt die neue Methode, schmutzigen Untergründen mit Hilfe von Schablone und Hochdruckreiniger markante Botschaften aufzudrücken. „Das sind unsere ersten Erfahrungen mit Streetbranding“, gesteht der Regional-Geschäftsführer von Marktkauf Rhein Ruhr, Leo Lammert, auf Nachfrage ein.

Vor einigen Tagen habe eine beauftragte Agentur an rund 200 Stellen in der Stadt Markierungen anbringen lassen, um Marktkauf und auch die Deutschland Card, das nationale Kundenbindungsprogramm von Edeka, bekannter zu machen. Lammert: „Überall kennt man uns, nur nicht im alten Ratio-Gebiet Münster.“ Und verspricht im gleichen Atemzug: „In vier Wochen ist davon nichts mehr zu sehen.“

Wovon man bei der Stadt Münster keineswegs überzeugt ist und kurzerhand Strafanzeige erstattet hat. „Einer solch aggressiven Werbung wollen wir den Riegel vorschieben“, erklärt der städtische Graffiti-Koordinator Franz Ahlmann. Mit Streetbranding werde zwar keine Farbe aufgetragen wie bei Graffiti. Dennoch werde unbefugt das Erscheinungsbild nicht unerheblich und möglicherweise über Monate auffallend verändert. Aus stadtgestalterischer Sicht müsse verhindert werden, „dass demnächst jede freie Fläche für Werbebotschaften genutzt wird“.

Anders sieht es der Graffiti-Koordinator bei Streetbranding mit Lichtprojektionen auf öffentlichen Flächen. Solange der Straßenverkehr nicht beeinträchtigt werde, so Ahlmann, seien solche Lichtprojektionen unproblematisch.

Gestern Abend dann im Fall Marktkauf die Wende: „Aus Rechtsunsicherheit und um Ärger mit der Stadt zu vermeiden, nehmen wir die Markierungen bis Freitagabend zurück“, informierte Marktkauf-Geschäftsführer Lammert. Ein Nachspiel werde es wohl mit der beauftragten Werbeagentur geben.

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