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Rot Weiss Ahlen

Wie Senf auf einer Sahnetorte

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Ahlen. „Wer läuft? Ich! Wer kämpft? Ich! Wer gewinnt? Wir!“, hallt es für gewöhnlich aus elf Kehlen, wenn die A-Junioren RW Ahlens sich vor dem Spiel einschwören. „Aber wenn es heißt ,Wer kämpft?', müsste es bei den Jungs eigentlich ,du' heißen“, weist Manfred Christel auf einen Missstand hin, der ihm ganz und gar nicht gefällt. Denn nach dem 0:2 gegen den VfL Leverkusen sucht RW weiterhin händeringend nach einer sportlichen Verfassung, die mit dem ambitionierten Ziel, dem Klassenerhalt in der Junioren-Bundesliga, korrespondiert.

Dazu muss aber im Vorfeld der Partie beim VfL Bochum am Sonntag um 11 Uhr erst einmal im Kopf der Schalter umgelegt werden. Anspruch und Realität sind derzeit von Christels Belegschaft nicht in Einklang zu bringen. Über 90 Minuten konnten die Rot-Weißen am vergangenen Sonntag nie den Eindruck erwecken, sich gemeinsam gegen die Niederlage zu stemmen. Jeder wurstelte ein bisschen vor sich hin, wenig zielstrebig, ohne großen Biss in den Zweikämpfen. Zudem ist niemand bereit, ernsthaft Verantwortung zu übernehmen. Man schiebt sich gegenseitig den schwarzen Peter zu. Alles andere als gesunde Voraussetzungen, um im Kampf um den Klassenerhalt als Team zu bestehen.

Von einer gefestigten Elf sind die Ahlener momentan jedenfalls so weit entfernt wie die zerstrittenen Politiker in Hessen von der Bildung der Landesregierung. Ein Selbstreinigungsprozess, der dringend notwendig wäre, fehlt, weil jeder mit sich selbst genug zu tun hat. „Jeder spielt nur für sich, sucht den Fehler bei den anderen. Wir müssen aber dahin kommen, dass wir wieder eine Mannschaft werden“, unterstreicht Manfred Christel. Jetzt, so der RW-Trainer, herrsche der Zustand vor, den er eigentlich schon vor dem ersten Spiel erwartet habe. „Du lernst die Spieler eben erst dann wirklich kennen, wenn es mal nicht so läuft“, hat Christel festgestellt. Nach dem Zwischenhoch von drei Siegen zum Rückrundenbeginn drohen nun wieder stürmische Zeiten. Die Führungsspieler haben ihre hohen Ambitionen nicht durch entsprechende Leistungen rechtfertigen können. Das aber ist nur die Spitze des Eisbergs. Die Mannschaft doktert an verschiedenen Symptomen herum und scheint ohne Marco Reus vollkommen ideenlos.

„Ich habe den Führungsspielern die Chance gegeben, sich zu finden und das Team zu führen“, berichtet Manfred Christel. Da dies nicht geschehen sei, will er die Zügel wieder stärker in die Hand nehmen, geht mit seinem Personal schonungslos ins Gericht. Eine notwendige Maßnahme, ehe das Ziel in allzu weite Ferne rückt. Personelle Veränderungen wird es mangels Alternativen aber wohl kaum geben. Marcel Ramsey fehlt gelbgesperrt. Für Hendrik Paulkowski wird Arne Kampe, der bisher eine gute Rückrunde absolviert hat, wieder zwischen die Pfosten rücken. „Momentan liegen wir auf dem Boden. Es ist Zeit, wieder aufzustehen“, befindet Manfred Christel bestimmt. Indisponierte Auftritte wie zuletzt gegen Leverkusen sind bei ihm so beliebt wie Senf auf einer Sahnetorte. Wenn sich beim VfL die Mannschaft auf Höhe des Mittelkreises versammelt, einen Kreis bildet und es aus elf Hälsen tönt: „Wer kämpft? Ich!“ – dann soll seine Mannschaft es auch so meinen und sich dran halten.

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