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Fall der Mauer

Wieder gab es Gedränge an der Bornholmer Straße

dpa- Korrespondent Burkhard Fraune

Berlin - Dort, wo Angela Merkel in Berlin den Mauerfall erlebte, machte sie sich genau 20 Jahre später erneut auf den Weg Richtung Westen. Eingezwängt zwischen Regenschirmen und Kameras überquerte sie gestern die Bornholmer Brücke. Vorbei an Hunderten Zuschauern schritt sie gelöst und gut gelaunt mit rund 100 früheren DDR-Oppositionellen wie Marianne Birthler, Wolf Biermann, Stephan Krawczyk und Joachim Gauck über jenen Grenzpunkt, der in der historischen Nacht des 9. November 1989 als Erster die Schranken hochzog.

Immer wieder erklangen „Gorbi“-Rufe für den früheren Sowjet-Staatschef Michail Gorbatschow, der an der Seite Merkels die Brücke überquerte. Der Mitbegründer der polnischen Gewerkschaft Solidarnosc und frühere Staatspräsident Lech Walesa ging in dem Gedränge fast unter. Beide hatte Merkel eingeladen. Viele Besucher hatten ihre alten DDR-Ausweise mitgebracht und zeigten stolz die Stempel von ihrem ersten Ausflug in den Westen. Im Nieselregen hatten Hunderte auf die Kanzlerin gewartet.

Mit dem symbolischen Spaziergang erwies Merkel den Menschen ihre Reverenz, die den Umbruch in Deutschland und Europa mit auf den Weg brachten. Die Veränderungen in Polen seien eine unglaubliche Ermutigung für die DDR-Bürger gewesen, sagte Merkel an die Adresse Walesas.

An der Bornholmer Straße hatten DDR-Bürger in fröhlicher Anarchie die Öffnung erzwungen. Sie warteten stundenlang, die Grenzer wurden immer ratloser. Eine halbe Stunde vor Mitternacht entschieden die Grenzsoldaten: „Wir fluten jetzt“. Die Schranken wurden hoch geschoben, die Ossis“ stolperten in den so lange unerreichbaren Westen.

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