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USC Münster

Wiedersehen im falschen Trikot

Heiner Gerull

Münster - Mit einigen beachtlichen Auftritten setzt Allianz Volley Stuttgart schon im ersten Jahr seiner Bundesliga-Zugehörigkeit Duftmarken der besonderen Art. Elf Siege aus 21 Meisterschaftsspielen - diese Bilanz kann sich wahrlich sehen lassen. Sie wurde allerdings in jüngster Vergangenheit von eher unliebsamen Vorkommnissen getrübt, die völlig überraschend mit der Entlassung des bisherigen Cheftrainers Alexander Waibl einhergingen. Beim Aufsteiger war man darauf bedacht, die atmosphärischen Störungen rasch zu beseitigen. Das ist gelungen, denn es dauerte nur wenige Tage, ehe mit Jan Lindenmair ein neuer Coach ins Amt gesetzt wurde.

Der Grund für die Ablösung Waibls wurde mit fehlender Loyalität gegenüber dem Verein begründet. Dem Trainer wurden Äußerungen zum Verhängnis, die in Zusammenhang mit der Nachfolge von Trainer Arnd Ludwig beim Liga-Konkurrenten Dresdner SC stehen. „Natürlich, anhören würde ich mir schon, was in Dresden möglich ist“, wurde der 40-Jährige nach dem 3:1-Sieg gegen Wiesbaden in den „Stuttgarter Nachrichten“ zitiert. Diese unbedachte Aussage hatte nachhaltige Auswirkungen, denn es folgte Waibls sofortiger Rauschmiss.

Mit Jan Lindenmair gelang es jedoch rasch, die vakant gewordene Position neu zu besetzen. Der 30-jährige Sportwissenschaftler wurde vom Jugendkoordinator zum Chefcoach befördert. An Ehrgeiz und Selbstbewusstsein mangelt es ihm nicht. So hatte er bei seinem Amtsantritt sieben Siege aus den verbleibenden sieben Saisonspielen gefordert. Diese Vorgabe wurde zwar nicht erfüllt. Gleichwohl zeigte der Aufsteiger beim 3:1 (25:23, 21:25, 25:17, 25:19) gegen Köpenick, dass er wahrlich eine Bereicherung für die Bundesliga ist. „Ich bin erleichtert, dass wir dieses Spiel gewonnen haben“, kommentierte Lindenmair emotionslos den Erfolg seiner Mannschaft. Klar, dass er heute in Münster am liebsten nachlegen würde.

Gleich in mehrfacher Hinsicht gibt es zwischen dem Team aus der Landeshauptstadt Baden-Württembergs und dem USC Berührungspunkte. So spielten Mittelblockerin Jil Döhnert und Außenangreiferin Tatjana Zautys noch in der vergangenen Saison in Münster, ehe sie im Sommer nach Stuttgart wechselten. Döhnert musste zwischenzeitlich zwangspausieren. Sie stieß erst vor dem Heimspiel gegen Köpenick zum Mannschaftskader zurück, nachdem sich der anfängliche Verdacht auf Pfeiffersches Drüsenfieber nicht bestätigt hatte

Mit Karla Borger erleben die münsterischen Volleyball-Fans zudem die neue Beachvolleyball-Partnerin von Rieke Brink-Abeler. Die ersten Auftritte der USC-Spielerin mit der 20-jährigen aktuellen Beachvolleyball-Nationalspielerin kündigen sich bereits an.

Bemerkenswert ist ferner, dass die deutsche Rekordinternationale Renate Riek-Bauer am 14. März beim 3:1-Sieg der Stuttgarterinnen gegen den 1. VC Wiesbaden nach 15 Jahren ihr Comeback in der Beletage des deutschen Volleyballs feierte. Mit 49 Jahren ist die 518fache Nationalspielerin zugleich älteste Bundesliga-Akteurin. Auch das ist ein Rekord - vielleicht für die Ewigkeit.

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