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"Willkommen bei den Sch'tis": Pudelwohl im Sibirien Frankreichs

Hans Gerhold

Lange hat Philippe Abrams (Kad Merad), Postbeamter in der Provence, auf Wunsch seiner Frau Julie (Zoé Félix), um die Versetzung an die Cote d'Azur gekämpft. Geschwindelt hat er, hat den Behinderten gespielt und ist dabei peinlich aufgeflogen. Und dann wird er ausgerechnet in den Norden strafversetzt, dahin, wo es ständig regnet, eiskalte Temperaturen wie am Polarkreis herrschen und die Leute alle "bläd" sein sollen: "Willkommen bei den Sch'tis".

Die Komödie um die Kulturschocks, die der Postler in der korrekt Nord-Pas-de-Calais genannten Region erlebt, ist in Frankreich der größte heimische Kinoerfolg aller Zeiten, hat über 20 Millionen Besucher gelockt und Louis de Funès' "Die große Sause" an der Spitze abgelöst. Regisseur und Drehbuchautor Danny Boon, der eine Liebeserklärung an seine Heimatregion im Sinn hatte, konnte mit dem Sensationserfolg nicht in kühnsten Träumen rechnen. Jetzt hat er den Salat – und Will Smith die Rechte fürs US-Remake gekauft.

Zurück ins Sibirien von Bergues ("Wie heißt das? Würg?"), wo Philippe bei der Ankunft im strömenden Regen beinahe den künftigen Kollegen Antoine (Boon) umfährt und mit der schlimmsten Eigenart dieser dickköpfigen Gallier konfrontiert wird: Sie sprechen nicht, sie zischen ein für einen normalen Franzosen unverständliches Gebrabbel, bei dem eine maximale Anzahl von Konsonanten durch "sch" ersetzt wird: eben die "Schötemis", wie Philippe vom Onkel (super im Gastauftritt: Michel Galabru) aufgeklärt wurde.

Der deutschen Synchronisation ist zu verdanken, dass der Sprachspaß um den Dialekt in eine Kunstsprache verwandelt wurde, die prima funktioniert: Man tausche die Konsonanten "s" und "z" gegen "sch" und umgekehrt; schon wird aus Bus Busch, aus Zeit Scheit, sicher heißt schisser, und Philippe zieht ins "söne Schimmer" (na?).

Umwerfend charmant, heiter, humorvoll, sympathisch, zwerchefelltreibend und vorurteilsbefreiend ist das alles. Philippe fühlt sich in Bergues bald pudelwohl, arbeitet stressfrei, freundet sich mit den neuen Kollegen an. Nur seiner Julie erzählt Philippe weiterhin Horrorgeschichten. Da kommt sie auf die Idee, dem Gatten gegen die Wilden beizustehen...

Großes Boulevardtheater mit Louis de Funès und Jacques Tati ("Tatis Schützenfest") als Paten, das locker mit Leerstellen (was ist mit der Ehekrise?) spielt, umgeht "Sch'tis" die Gefahren des Klamauks, jongliert herrlich mit Ressentiments und schafft im Finale ein Potemkinsches Dorf, das alle Erwartungen übertrifft und beste Laune schafft. Söner Schpasch.

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