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Wilsberg ermittelt im Newsroom - Dreharbeiten bei Aschendorff

Münster - Es ist Samstagmorgen, kurz vor 8 Uhr. Eine Wohnwagenkolonne trifft am Druckhaus des Aschendorff-Verlags ein. Nicht gerade der optimale Ort für Ferien. Doch es geht auch nicht um Urlaub, sondern um ein Verbrechen. Die Wohnwagen gehören allerdings nicht der Spurensicherung, sondern der Filmcrew, die derzeit in Münster die beiden Wilsberg-Krimis „Bullenball“ und „Gefahr...

Nadine Jansen

Münster - Es ist Samstagmorgen, kurz vor 8 Uhr. Eine Wohnwagenkolonne trifft am Medienhaus Aschendorff ein. Nicht gerade der optimale Ort für Ferien. Doch es geht auch nicht um Urlaub, sondern um ein Verbrechen. Die Wohnwagen gehören allerdings nicht der Spurensicherung, sondern der Filmcrew, die derzeit in Münster die beiden Wilsberg-Krimis „Bullenball“ und „Gefahr im Verzug“ dreht. Zwei Filme, die beide im Frühjahr 2010 im ZDF ausgestrahlt werden sollen.

Leonard Lansink hingegen strahlt gar nicht, als er am frühen Morgen den Newsroom des Medienhauses betritt. Kein Wunder: Es ist nicht nur früh, sondern es geht wie gesagt auch um ein Verbrechen. Eines, in das der Redakteur Ingo Peters (gespielt von Thomas Dannemann) verwickelt ist. Normalerweise sitzt an seinem Schreibtisch eine freundliche Volontärin, nun sitzt dort Dannemann, ein etwas muffeliger Reporter, der mal wieder einer heißen Story auf der Spur ist. Eine Story, die ihn sogar selbst in Gefahr bringt.

Es ist kurz vor Redaktionsschluss, als Privatdetektiv Georg Wilsberg den Redakteur mit seinem Wissen um die Affäre einer Frau und einen Mord konfrontiert und ihn auffordert, ihm zu helfen. Mehrfach und eindringlich fordert Wilsberg ihn dazu auf. Mehrfach allerdings nicht etwa deshalb, weil der Redakteur Peters so schwer von Begriff ist, sondern weil Regisseur Hans-Jürgen Bücking die perfekte Einstellung im Kasten haben will. „Ruhe“, „Ton läuft“, „und bitte“, brüllt der Regisseur.

Ein uriger, schräger, komischer Typ. So ganz sicher ist man sich nicht, wie man diesen Mann einschätzen soll. Doch er dreht Filmszenen mit einer späteren Gesamtspielzeit von 6,25 Minuten innerhalb von weniger als acht Stunden. „Andere Regisseure brauchen eineinhalb Tage dafür“, sagt Regieassistentin Laura Mirhatescu und scheucht die Komparsen wieder auf die richtigen Plätze.

Zwölf Männer und Frauen sind für diese Rollen ausgesucht worden. Das Team an diesem Tag umfasst 32 Personen, hinzu kommen vier Schauspieler. So viel ist an einem üblichen Redaktionssamstag sonst nicht los. Kabel, Kameras, Leinwände, Abdeckplanen, Schienen für die Hauptkamera und allerhand weiteres Equipment, dazu Drehbücher, Requisiten und Schminke – die Redaktion ist ein Hort der Unordnung.

Trotzdem wird auf Details geachtet. Die extra für den Dreh hereingeschmuggelte, kitschig-asiatische Winkekatze der Volontärin wird entdeckt und verbannt, die Kaffeetasse eines anderen Kollegen bekommt plötzlich eine tragende Rolle. Und der neue Chefredakteur (gespielt von Andreas Windhuis) sieht plötzlich alles andere als seriös aus.

Die Online-Redaktion wird ins Set integriert und darf ganz „normal“ weiterarbeiten, der Fotograf darf auch vorbeischauen, aber nur bei den Proben Fotos schießen. Und der Redaktionsalltag? Na ja, der ist sonst auch eher ein anderer.

Doch am Ende des Tages scheint fast alles wie sonst. Nach dem letzten Take wird zusammengepackt, aufgeräumt, die Schreibtische werden in ihren Ursprungs-Status versetzt. Nur ein paar verräterische Krümel vom Catering am Mittag bleiben zurück, verteilt auf den Fluren der Redaktion.

Auch die Wohnwagen verlassen das Gelände und fahren gen Autobahn. Weg aus Münster, zum nächsten Tatort . . .

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