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"Pina"-Premiere

Wim Wenders: „Begeisterte Trauerarbeit“ im Cineplex Münster

unserem Mitarbeiter Hans Gerhold

Münster - Nach 48 Stunden auf der Berlinale, wo der Dokumentarfilm seine Welturaufführung erlebte, war „Pina“ in die ganze Welt verkauft. Das berichtete Regisseur Wim Wenders am Montagabend vor Presse und Publikum in den ausverkauften Sälen des Cineplex in Münster, wo „Pina“ allein an diesem Tag von rund tausend Kinobesuchern gesehen wurde, die den Film begeistert aufnahmen.

Wenders erläuterte die Entstehung des Projekts, das erst echte Formen annehmen konnte, als er für sich die 3-D-Technik entdeckte: „Ballett und 3-D sind füreinander gemacht wegen des Raums, um den es in beiden Medien geht. Man muss die zwei Kameras, mit denen stereoskopisch aufgenommen wird, so nah wie möglich an den Vorgang, wie der Mensch mit zwei Augen sehen kann, heranbringen und Fehler mit der Bildgeschwindigkeit vermeiden. Denn sonst verdoppeln sich die Fehler nicht, sie potenzieren sich. Das ist echte Pionierarbeit.“ Über Pina Bausch, die er vor 26 Jahren anlässlich des Stücks „Café Müller“ kennengelernt hatte und mit der ihn eine lange Freundschaft verband, fand Wenders schöne würdigende Worte: „Pina hat erklärtermaßen viel verlangt, war sehr beharrlich, und sie konnte die ganzer Schönheit aus jedem im Ensemble herauskitzeln. Die Wuppertaler sind eine utopische Gemeinschaft, eine utopische Menschheit aus aller Herren Länder, die utopische Arbeit leisten, ein Ensemble, in dem es keine Eifersucht, nur gegenseitiges Schätzen gibt. Pina hat übrigens die Musik zu den Stücken erst nach den Proben ausgesucht, die meisten Tänze sind ohne Musik entstanden.“

Der Film wurde nach dem unerwarteten Tod von Pina Bausch eine, wie Wim Winders es schildert, „begeisterte Trauerarbeit, bei der die Tänzer froh waren, mal aus dem Bühnenraum herauszukommen. Tanz ist ein Allheilmittel. Die Tänzer geben getanzte Antworten für Pina, Dafür haben wir die Drehorte ausgesucht.“

Wenders nahm in Wuppertal und zahlreichen anderen Orten des Ruhrgebiets, zentrale Szenen in der für ihn typischen, den Raum perfekt berücksichtigenden Art auf: „Man muss eine besondere Beziehung zu den Orten haben, an denen man dreht, was hier durchaus gegeben war. Ich kann mir gut vorstellen, auch in Münster zu drehen.“

Für Musikfreunde hielt Wim Wenders in Münster übrigens eine besondere Nachricht bereit: „Ab der nächsten Woche ist der Soundtrack des Films, das haben wir selbst gemacht, im Internet zu haben.“

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