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„Wir bleiben unserer Linie treu“

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Münster. Nach dem Marathon ist vor dem Marathon. Die sechste Auflage ist jedenfalls noch nicht gelaufen, da richten die Organisatoren bereits den Blick auf die siebte Veranstaltung 2008. Fest steht, dass der Volksbank-Münster-Marathon seinen Platz unter den Top-Ten-Veranstaltungen in Deutschland behauptet hat. Vor dem Start am Sonntag sprach WN-Redakteur Jürgen Beckgerd mit dem Vereinsvorsitzenden Michael Brinkmann.

Der sechste Volksbank-Münster-Marathon unter Ihrer Regie: Entwickeln Sie immer noch so etwas wie Spannung, Lampenfieber gar?

Brinkmann: Lampenfieber ist da. Das ist vor der abschließenden Team-Sitzung spätestens der Fall; da sind alle nervös. Klar kommt auch Routine auf, aber es gehen immerhin fast 6000 Läufer an den Start. Das sind auch immer 6000 Individualisten, und die haben hohe Erwartungen an uns.

Was hat sich denn verändert zwischen 2002, dem Jahr der Premiere, und heute?

Brinkmann: Gute Frage. Wir sind noch professioneller geworden, die Leistungsspitze hat sich deutlich verändert. Wir sind angefangen ohne irgendwelche Topläufer mit einer Zeit von etwa 2:28 Stunden. Dann hatten wir die Situation, die alle Marathonveranstalter hatten: Ein Kenianer vorne, danach gar nichts und dann viele Läufer dahinter. Und jetzt haben wir plötzlich die drei Sieger der letzten fünf Auflagen im Feld und dazu noch zehn bis zwölf Spitzen-Athleten, von denen drei oder vier 2:12 bis 2:14 Stunden laufen. Das ist schneller als bei der WM in Osaka.

Marathon-Veranstaltungen gibt es mittlerweile viele, die Teilnehmerzahlen stagnieren – auch in Münster. Ist ein Ende des Booms abzusehen?

Brinkmann: Es geht zurück, weil wir eine Marathonvielfalt haben. Wenn ich heute anfangen würde, einen Marathon zu planen: Ich würde es nicht machen. Damals habe ich drei Jahre lang Marktforschung betrieben. Man muss jetzt seinen Platz verteidigen. Man muss die Werbung ganz gezielt platzieren und unsere besonderen Merkmale stark herausstellen. Erstaunt hat mich ein Besuch vor 14 Tagen in der Sportschule Kaiserau bei einer Übungsleiter-Ausbildung. Da hat von 20 Teilnehmern ein einziger unseren Marathon gekannt. Wir müssen unsere Werbung stärker ins Ruhrgebiet verlagern, da sind noch unheimliche Potenziale da. Wir haben jedoch den Abwärtstrend gestoppt. Zur Stunde haben wir etwa 200 Teilnehmer mehr als im gleichen Zeitraum des Vorjahres.

Andere Veranstalter „pushen“ mit Halbmarathons, Inline-Skating und Staffeln ihre Teilnehmerzahlen. Sie bleiben hingegen Ihrer Linie treu . . .

Brinkmann: Wir gehen durch alle Tiefen damit. Wenn wir jetzt den Halbmarathon machen würden, würde der Marathon um 50 Prozent einbrechen. Das wäre nicht mehr der Volksbank-Münster-Marathon. Und wir wollen nicht die Ursprünge aus den Augen verlieren. Die Marathonläufer sind die Helden. Die Staffeln machen den Marathon nicht kaputt. Halbmarathonläufer brächten ein ganz anderes Tempo in die Veranstaltung. Sie würden sich als Helden feiern lassen, obwohl sie nur halbe Helden sind.

Marathons bleiben jedoch nur deshalb so attraktiv für Sponsoren, weil Tausende mitlaufen und Zigtausende am Streckenrand stehen. Zu Beginn des Jahres sprangen dennoch auch in Münster zwei Hauptsponsoren ab. Ist das zu kompensieren?

Brinkmann: Im Moment noch. Die Sponsoren, die dabei sind, merken schnell dass sie erkannt werden. Ich habe schon den Eindruck, dass ein Sponsoring einer Laufveranstaltung sehr viele Möglichkeiten birgt. Wenn Geldgeber abspringen tut das weh. Wir können das kompensieren durch einige kleinere Sponsoren. Sehr enttäuscht bin ich jedoch über Nienberge, dort ist die Unterstützung doch sehr, sehr gering.

Was für ein Etat liegt dem Volksbank-Münster-Marathon denn zugrunde?

Brinkmann: Über Geld spricht man beim Marathon nicht. Für uns ist es wichtig: Wir haben einen hauptamtlichen Mitarbeiter. Alles andere wird ehrenamtlich erledigt. Wir sind froh, wenn wir Plus-minus-Null herauskommen . . .

. . . und das schaffen Sie auch?

Brinkmann: Bei fünf Marathons drei Mal nein, zwei Mal ja.

Breitensport ist die Achse, Top-Sport der Motor der Veranstaltung in Münster. Bleibt es auch in diesem Jahr bei den Schwerpunkten große Breite, kleine, aber feine Spitze?

Brinkmann: Genau dabei bleibt’s. Die Breite: Das sind doch die Leute, denen wir zuklatschen können. Wenn man diese Sportler feiert: das gibt die Gänsehautatmosphäre. Die Spitzenathleten kommen durchs Ziel, als wären sie einen Kilometer gelaufen. Denen merkt man die Strapazen gar nicht an. Hut ab, auch davor. Aber wir bleiben beim Breitensport.

Antrittsgelder werden nicht gezahlt, aber es gibt doch Anreize für die Top-Athleten, in Münster zu starten?

Brinkmann: Ich habe sehr guten Kontakt und Beziehungen zu Kenia, Tansania, Polen und Lettland sowie die Manager in Deutschland. Die wissen, in Münster wird kein Antrittsgeld bezahlt und sind darüber auch entsprechend sauer. Aber sie wissen auch, dass es hier ein ziemlich attraktives Preisgeld gibt. Natürlich haben die ein Problem, wenn deren Schützling nur Dritter wird. Aber dann müssen wir eben auch mal über eine Reisekostenbeteiligung sprechen.

Der Volksbank-Münster-Marathon trägt den Namen der Stadt in sich, gilt als sogenannter „weicher Standortfaktor“. Wie ist die Zusammenarbeit?

Brinkmann: Die Zusammenarbeit mit dem Ordnungsamt und die Unterstützung vom Grünflächenamt und Betriebshof ist unschlagbar gut.

Ein leider leidiges Thema: Doping. Gibt es Kontrollen?

Brinkmann: Es gab ein langes Gespräch mit dem Dopingbeauftragten des Deutschen Leichtathletik-Verbandes. Kontrollen werden nur dann angeordnet, wenn es eine deutsche Meisterschaft ist. Wir könnten das freiwillig machen, aber das kostet viel Geld. Allein zehn Kontrollen würden einen erheblichen Etat beanspruchen. Und: Wenn wir jetzt Dopingkontrollen durchführen, erfolgt die Auswertung 14 Tage später. Die Afrikaner sind dann längst zu Hause. Wäre der Sieger positiv, würde der Zweite beanspruchen, hochgestuft zu werden und so weiter. Wir werden sicher stärker Aufklärung betreiben und Kontrollen sind auch nicht ausgeschlossen.

Schlimme Unglücksfälle, Todesfälle sogar, wie beim Ruhrmarathon, waren in Münster glücklicherweise nicht zu beklagen. Gibt es Präventionsmaßnahmen?

Brinkmann: Zuhauf. Wir haben den Arzt Ralf Schomaker als kooptives Teammitglied. Er wird die Leitung der vier Sanitätsdienste übernehmen. Er hat allein 20 Defibrillatoren an den letzten zehn Kilometern verteilt. Er selbst wird mit zwei weiteren Ärzten Radstreifen fahren und veranlasst, dass die medical points noch stärker visualisiert werden. Es gibt für auffällige Läufer entsprechende Medikamente und er wird entsprechende Läufer direkt ansprechen.

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